sitemap for searchengine
Stadtgemeinde Johannes XXIII
Termine
·12/09Agape-LiturgieLeitung:Georg Schweppe
·18/09Kolloquium "Eucharistie - Abendmahl - Agape"Mit Chr.Gallasch
·19/09LiturgieLeitung: Pfr.Adalbert Keilus
·26/09LiturgieLeitung: P.Christoph Wrembek SJ

Hauptmenü
· Startseite
· Anmeldung

Die Gemeinde
· Wir über uns
· Predigten
· Texte
· Termine

Kontext
· Bibel
· 2. Vatikanum

Predigtreihen
· Projekt CREDO
· Projekt SAKRAMENTE
· Projekt VATER UNSER

  
„ist begraben worden und auferstanden“ von: Adalbert Keilus
.: Kommentar :: Drucklayout diese Seite :: Drucklayout alle Seiten dieses Beitrags :.

„... gekreuzigt, gestorben, begraben - auferstanden ...“

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Die Aufgabe dieses Gottesdienstes ist ja, aus dem Glaubensbekenntnis das heraus zu holen, was dort gesagt wird über Tod und Auferstehung des Herrn.
Wir hören also aus Markus:
(Mk 15, 20b - 47)
Wenn wir in unser Glaubensbekenntnis hineinschauen, wird aus dem vielen Text, den wir in der Passions- und Auferstehungsgeschichte hören, eine ganz kurze, knappe Skizze:
„Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift“.
Das ist alles, was wir, kurz zusammengefasst, sagen. Mir scheint das bedeutsam, denn wer ein wenig die Literatur kennt zu der Frage „Was ist damals wirklich geschehen in Jerusalem? Können wir uns auf die Texte der Evangelisten verlassen?“, (der merkt:) da fängt schon die Schwierigkeit an. Denn ein Vergleich der vier Passionsgeschichten zeigt, dass sie nicht ein erstes Interesse haben, zu schildern, was genau damals geschehen ist. Denn alle vier Passionsberichte sind bereits Verkündigungstexte, also im Gottesdienst gebraucht.

Es ist schon längst die Frage erörtert worden, warum Christus einen solchen Tod erleiden musste. Die Schrift spiegelt das Erschrecken und das Nichtverstehen derer wider, die unmittelbar in Jesu Nähe gelebt haben. Sie haben das so nicht einkalkuliert. Sie haben andere Vorstellungen gehabt und nach dem Tode Jesu, als die erste Gemeinde sich wieder sammelte, da war das die immer neue Anfrage auch ihrer jüdischen Mitglaubenden: Kann man an einen Messias glauben, der einen Tod erleidet, von dem die Schrift sagt, er ist von Gott verflucht? Ist es möglich, einem solchen falschen Messias, wie die meisten das sahen, noch weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken? 
Und so können Sie alle Briefe des Paulus, die Erstzeugen unserer christlichen Literatur, lesen: Es geht immer um die Frage: Warum musste er leiden? Es wird die ganze Hl.Schrift bemüht, um Sinn hinein zu bekommen in das Sterben, in dieses Sterben Jesu. Es ist in der ersten Phase feststellbar, dass man nach theologischer Begründung gerungen hat, und es boten sich folgende Einstiege an. Wir hatten heute in der Lesung von Jesaja das Gottesknechtlied (eines, es gibt ja mehrere davon) gehört. Es gibt also eine Tradition, dass der Gerechte leiden muss. Und so erkannte die erste Gemeinde, weil sie von Jesus darauf aufmerksam gemacht wurde: Lest in den Schriften, dann werdet ihr Begründungen finden. 
Und dann die Psalmen. Auch der Psalmist ringt in seinen Gebeten mit den Leiden, die er selbst oder andere erfahren, und man sucht einen Hoffnungsraum für das, was an Schmerzlichem Menschen zu allen Zeiten erlebt haben und heute noch erleben. Immer neu stellt sich die Frage: Kann man das viele Leid auf dieser Erde positiv deuten? Oder muss man sich nicht ehrlich sagen: das ist eigentlich das Grab jedes Glaubens an einen weisen und den Menschen begleitenden Gott? Also eine elementare Frage, die die erste Gemeinde sich ständig neu stellen musste. Und das spiegelt sich in unseren Passionsberichten wider. Immer wieder das Bemühen, den leidenden Gerechten sichtbar zu machen.

Nun ist aber in unserer heutigen Zeit die Neugierde groß, hinter der Verkündigungssprache das historische Geschehen zu ergründen. Das ist nicht leicht. Wer die Exegeten der letzten 150 Jahre liest - alles ist schon behauptet worden. Man bewegt sich auf einem Boden, der schwankend ist. Es gibt auch modische Erscheinungen. Darum ist es vielleicht ganz nüchtern und realistisch, zu sagen: In einem kommen doch alle ernst zu nehmenden Forscher überein: Er ist gekreuzigt worden. Das brutale Faktum liegt vor. 
Es ist schon schwer zu sagen und abzuwägen, wer das Urteil gesprochen hat. Das Glaubenbekenntnis sagt: „Unter Pontius Pilatus.“ Offensichtlich will es damit ausdrücken: Das ist der Verantwortliche, den wir mit Namen nennen. 
Sie wissen, wenn man die Passionsgeschichten in der geschichtlichen Reihenfolge liest, gibt es in zunehmenden Maße eine Belastung der Juden und eine Entlastung des Pilatus. Offensichtlich: Die schwere Zeit des Auseinanderlebens von Synagoge und Ekklesia brachte eine Verschärfung - und die christliche Gemeinde erlebte die jüdische Gemeinschaft als eine Gemeinschaft, die diesen Christus ablehnte. Und darum globale Urteile, Verurteilungen. 
Und darum ist es sehr schwer, zwischen dem, was die Evangelisten schreiben, zu erkennen, welche Gruppen waren es denn eigentlich, die hauptgewichtig vor Pilatus traten. Man neigt heute dazu, zu sagen, es war eine kleine Gruppe am Tode Jesu Interessierter im damaligen jüdischen Volk: Schriftgelehrte, Pharisäer, die das nicht taten aus Bosheit, sondern weil das ihre tiefste Glaubensüberzeugung war: Ein solcher Häretiker hat kein Recht zu leben.
Und darum: Das Wort von den „Gottesmördern“ ist nicht angemessen und wir sollten es aus unserem Vokabular streichen! Wie weit dann das „Volk“ noch beteiligt war, das ist alles sehr schwer zu rekonstruieren. 

Wir sind heute auch noch dabei, eine Sprache dafür zu finden, den Tod Jesu Christi als Gabe Gottes an uns auszudrücken. Abwehren müssen wir alles, was so aussieht, als ob Gott den Tod seines Sohnes gefordert hat. Das ist ein sadistisches Gottesbild. Die Texte, wenn wir sie genau studieren, wollen das auch nicht sagen, sondern im Laufe der Kirchengeschichte ist es zu solchen Vereinfachungen gekommen, dass man so formulierte und sagte: Die Sünde der Menschen ist so groß geworden, dass Gottes Zorn sich über die Maßen steigerte, und es war keiner mehr in der Lage, Gott zu besänftigen als (eben) sein Sohn. Und das war nur durch die schlimmste Art von Tod denkbar. Diese Art, Christi Tod zu erklären, ist nicht hilfreich, ist auch nicht gut, sie weiter zu geben. Hilfreicher ist, was uns das Johannes-Evangelium sagt, wenn es spricht: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn (mit allen Konsequenzen) in diese Welt gegeben hat“. 
Und sicher ist auch ein zweiter Gedanke - besonders auch nach Auschwitz - für Menschen verständlich: Wir sind dankbar, dass auch in der Finsternis der Nazi-Zeit Menschen bereit waren, in den Tod zu gehen und die Zahl der „Gerechten“ auf dieser Erde durch ihren Tod leuchtend zu machen. Es ist darum auch Anliegen der Theologie, den Tod Jesu als Märtyrer-Tod darzustellen. Zeuge Gottes, der so treu ist, dass er auch die tiefsten Niederungen der Menschheit teilt. So wie das der Epheser-Brief in dem Hymnus darstellt, den wir vorhin gesungen haben. 

Nie sind wir am Ende mit der Deutung des Todes Jesu. Immer neu angesichts der Leidensgeschichte der Menschheit stellt sich die Frage: Warum?
Dieser Tage las ich: Die Frage Jesu am Kreuz - „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“ - müsste vom hebräischen Denken etwas anders übersetzt werden, nämlich: „Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?“ Ich weiß nicht, ob Sie das heraushören. Wozu meint etwas anderes als warum. Wozu: was ist der Sinn dieses meines Leidens? 
Und der Psalm, wenn ich ihn insgesamt lese, gibt die Antwort. Ich habe ihn mir dieser Tage in einer neuen Übersetzung durchgelesen. Da merkt man, dass der ganze Psalm 22 uns eine Hilfe ist, der Frage nachzuspüren: Wozu die vielen Verlassenheiten? Und der Psalm legt uns nahe, Gott zu trauen, dass er das Wozu kennt. Und der Glaubende ist ein Mensch, der nicht auf alle Fragen eine schlüssige Antwort hat. Er geht - das ist nämlich Glauben - das Risiko ein, trotz allem ein Vertrauender zu sein: „In deine Hände empfehle ich meinen Geist“. 

Noch einen kurzen Gedanken zu dem, was das Glaubensbekenntnis sagt: „Er wurde begraben“. Urs von Balthasar hat in seiner Theologie uns auf den Karsamstag hingewiesen. Der Karsamstag, so sagt er, ist der 7.Tag, da Gott ruhte von seinem Werk. Und das ist jetzt in der Neuschöpfung zwischen Karfreitag und Ostern der Tag, da wir all unsere Leiden in Gott ruhen lassen. Und die Ost-Kirche hat besonders gern den Gedanken, Jesus wäre an diesem Ruhetag in die Unterwelt, die scheol, hinunter gestiegen, um alle Toten herauf zu holen und ihnen Anteil zu geben an der Herrlichkeit des Ostertages. Darum ist auf vielen Ikonen Ostern nicht so sehr ein Bild, wie wir es kennen mit dem Auferstandenen, sondern es ist der Christus, der die ganze Welt heimholt in die Liebe des Vaters.

Wir hören nun die Fortsetzung (Mk 16, 1-7). 
So der Bericht nach Markus. 
Auch von den Auferstehungsberichten gilt das Selbe, was ich vorhin von der Passion gesagt habe: Es ist Verkündigungs-Interesse, was in diese Texte, so wie sie nun einmal jetzt da stehen, Eingang gefunden hat. Auch da bemühen sich ja in den letzten Jahrzehnten die Forscher, hinter dem Verkündigungstext zu ergründen: Wie war das denn nun wirklich gewesen? Soweit ich das überblicken kann, ist es auch da nicht möglich, zu einem Schluss zu kommen, derart, dass man sagt: Nun wissen wir es ganz genau, wie sich´s abgespielt hat. 
Die ersten Berichte sind ja, wenn wir an den 1.Korintherbrief denken, ähnlich knapp, wie das hier im Glaubensbekenntnis ist. Auch da heißt es: 
„Gekreuzigt, gestorben und begraben nach der Schrift (gemäß der Schrift)“. 
Die Fakten werden also kurz zitiert, und wir stehen im österlichen Bekenntnis auf dem Glauben der ersten Zeugen. Das ist, im Grunde genommen, immer das Endergebnis der Forschungen: Am Anfang steht eine Gruppe von Menschen, Frauen und Männern, die be zeugen, dass Karfreitag nicht das Ende ist, sondern dass es weitergeht - und sie haben das erfahren. Wie man sich dieses Erfahren zu denken hat, wird zur Zeit in theologischen Werken geprüft. Ich las, dass man dem Wort „Halluzination“ eine positive Bedeutung gibt, d.h. in irgendeiner Weise ist den Menschen die Gewissheit geschenkt worden, dass der Herr lebt. Und so wird hier in dem Text von Markus als Erstes bescheiden gesagt: Er ist nicht mehr da. Die Zeit ist vorbei, ihn noch einmal hier unter den Lebenden zu finden. Und es wird ihnen gesagt, dass sie nach Galiläa gehen sollen - und dort werdet ihr ihn sehen. 
Es wir also ein neuer Aufbruch sein, davon spricht die Schrift. Und wir alle wissen um das Eigenartige, dass die verschüchterten Menschen, die eigentlich am Ende mit ihrem Glauben waren, doch eine Erfahrung gemacht haben müssen, dass sie - nicht nur ein einzelner, sondern die ganze Gruppe um Jesus herum - positiv zur Zukunft stehen, sich nicht mehr verlassen wissen. Dass sie ihn, den Herrn, unter sich sehen. In einem neuen Schauen und Sehen. Davon wird in der Schrift gesagt: Ein Sehen, so wie wir es nicht erfahren können - wir die Gemeinde von heute -, ist auch auf ein Suchen einzustellen. Wir sind immer die, die suchen nach dem Herrn unter uns, nach der Lebendigkeit seines Wortes, das wir heute in unseren Herzen hören. 

Wir versuchen, eine Antwort zu geben. 
Die Gemeinde derer, die an Jesus glauben, ist eine Gemeinde, die davon überzeugt ist: Wir verkünden nicht einen Toten, sondern wir verkünden den, der durch Tod zum Leben gekommen ist und dieses Leben uns weitergibt. 
Und auch da gibt das AT einen wichtigen Hinweis: Was haben denn die ersten Christen von der Auferstehung Jesu aus den alten Schriften gelesen? Dass Gott ein Gott des Lebens ist! Dass - so sagt es der jüdische Rabbi in der Geschichte von Ezechiel - er in die Totengerippe hineingreift mit seitiean Geist und (sie) zum Leben erweckt. So ist also zur Zeit Jesu die damalige glaubende Gemeinde zutiefst überzeugt (schon vor der Auferstehung Jesu): Gott lässt uns im Tod nicht allein. In allem Sterben weckt Gott neues Leben. 
Und so sind wir durch das Mysterium Paschale, das Ostergeheimnis, Menschen der tiefsten Hoffnung geworden, was wir uns immer neu schenken lassen in der Liturgie ....

(Band zu Ende ...)

.: Zum Index Projekt CREDO :: Zum Gesamtindex :.
Die Einheitsübersetzung der Bibel im PopUp-Fenster