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„aufgefahren in den Himmel“ von: Christian Gallasch
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„... aufgefahren in den Himmel, sitzt zur Rechten des Vaters ...“


Begrüßung

„... aufgefahren in den Himmel, sitzt zur Rechten des Vaters ...“
Wir lieben es, auf unsere Gewohnheiten und liebgewordenen Vorurteile zu starren; wir lieben es, unsere Umgebung mit fest gefügten Erwartungen zu konfrontieren; wir lieben es, wenn der „liebe Gott“ dort eingreift, wo wir gerne hätten, dass nicht wir eingreifen müssen - mit einem Wort: wir lieben es bequem. Die historisch verfasste Kirche hat diesen unseren Vorlieben stets allzu bereitwillig nachgegeben. So ist sie zwangsläufig „konservativ“ geworden: Eine riesige Konservendose mit abgestandenen Halbwahrheiten. Wenige merken, dass sie in die falsche Richtung starren. Einen kleinen Schritt aus dieser Starre möchte ich heute mit Ihnen versuchen.
Als kleiner Junge erfuhr ich, dass mein Großvater bei einem „Himmelfahrtskommando“ - in Gänsefüßchen - in den letzten Tagen des Krieges in Berlin verschollen und vermutlich ums Leben gekommen war. Meine Oma, seine Witwe, hatte zu der Zeit, vielleicht 8 oder 10 Jahre nach Kriegsende, die Hoffnung auf seine Wiederkehr noch immer nicht aufgegeben. Eines Tages sagte ich, wie Kinder das manchmal so tun: Aber Omi, der ist doch bei einem Himmelfahrtskommando - diesmal ohne Gänsefüßchen - totgegangen! Die gute Oma war entsetzt, sowohl über meinen Gedanken (besser: Gedankenlosigkeit) wie auch über meine Wortwahl. Die nachfolgende Kopfwäsche seitens meiner Eltern habe ich nicht so schnell vergessen. Seither habe ich große Ehrfurcht vor Worten.
In den Himmel fahren = weg gehen und weg bleiben - so lautet die landläufige Schreckens-Gleichung. Die christliche Botschaft ist - wie immer - eine ganz andere. Dafür wollen wir heute unsere Ohren und Herzen öffnen.
Des weiteren auch für die Frage, wer hier rechts oder links von wem sitzt. Parlamente z.B. haben ja eine Gesäßgeographie: Linksliberal, neue Mitte, rechtsradikal, usw. (Apropos „rechtsradikal“: Ich hoffe, Sie haben heute alle fleißig die PARTEI BIBELTREUER CHRISTEN gewählt! Es gibt ja gottseidank nichts Eindeutigeres als die Texte der Bibel - wie in einem Heimwerker-Ratgeber kann man dort Antworten auf alle Lebensfragen finden: wie man etwa Befürworter der Empfängnisverhütung gnadenlos hinter Schloss und Riegel bringt oder mit welchem Spezial-Hammer man den Zeitgeist mausetot schlägt oder mit welcher Säure man den Geist Gottes aus der Bibel nachhaltig herausätzen kann ... - in diesem Sinn „bibeltreu“ kann kein Christ sein, er wär´ keiner mehr ...)
Das Wort Gottes spricht sich in alle Ohren, in linke wie rechte, auch in die Herzen von rechthaberischen Linken oder linkischen Rechtsanwälten: Jeder, der das Herz auf dem rechten Fleck hat (obwohl es anatomisch ja eher links sitzt ...), kann dieses Wort Gottes hören. Alle anderen sitzen voll daneben ...



Gebet
Du, unser Vater und unser Gott,
wir versammeln uns heute in Deinem Namen, den Du uns geschenkt hast.
Deinen Sohn Jesus hast Du erhöht und uns mit ihm;
hineingenommen in die Liebe Jesu zu Dir, seinem Vater, bitten wir:
Lass uns Deine Fülle sehen und Dein Wort ergreifen,
lass uns so Gemeinde werden im Dienst an Deinem Wort.






Lesungen

1. Exodus 16, 6 - 15
6 Mose und Aaron sprachen zu ganz Israel: Am Abend werdet ihr erkennen, dass ER es ist, der euch aus dem Land Ägypten führte, 7 und am Morgen werdet ihr SEIN Erscheinen sehen: da Er euer Gemurre gegen IHN gehört hat - Was sind wir denn, dass ihr gegen uns murren könntet?
8 Mose verkündete: Dass ER euch am Abend Fleisch zu essen gibt und am Morgen Brot zum Sattwerden, und dass ER euer Gemurre gehört hat, mit dem ihr gegen IHN murrt. Was sind wir denn? Nicht gegen uns ist euer Gemurre, sondern gegen IHN. 9 Und Mose sprach zu Aaron: Künde der ganzen Gemeinde der Israeliten: Kommt her vor SEIN Antlitz, denn ER hat euer Gemurre gehört!
10 Und es geschah, während Aaron noch zu der ganzen Gemeinde der Israeliten sprach, und sie sich zur Wüste hin wandten: Siehe! - in der Wolke war SEIN Erscheinen zu sehen.
11 ER sprach zu Mose mit den Worten: 12 Das Gemurre der Söhne Israels habe ich gehört. Künde ihnen: In den Abendstunden werdet ihr Fleisch essen und am Morgen werdet ihr von Brot satt werden, erkennen sollt ihr, dass ICH euer Gott bin.
13 Es wurde Abend, da kamen Schwärme von Wachteln herauf, die ganze Zeltstadt war voll von ihnen.
Am Morgen wiederum lag eine Schicht Tau um die Zeltstadt, 14 und als die Tauschicht verdunstete, da lag auf der Wüstenfläche etwas Feines, wie Schuppen, fein wie der Reif auf der Erde. 15 Die Kinder Israels sahen das und sprachen einer zum anderen: Man hu? - Was ist das? Denn sie wussten nicht, was das war. Mose sagte zu ihnen: Das ist das Brot, das ER euch zum Essen gegeben hat.
16 Dies nun hat ER euch geboten: Ein jeder sammle ein, was er zum Essen braucht, einen Krug pro Kopf, nach der Anzahl der Leute in seinem Zelt.

2. Das Wirken der Apostel („Apostelgeschichte“) 1, 1 - 14
1 In meiner ersten Erzählung, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus anfangs tat und lehrte, 2 bis er an jenem Tag erhöht wurde; zuvor hatte er durch den Heiligen Geist ausgewählte Apostel beauftragt. 3 Nach seinem Leiden zeigte er sich ihnen durch viele Zeichen als lebend; vierzig Tage lang konnten sie sein Erscheinen sehen, und er sprach über all das, was mit dem göttlichen Bereich zusammen hängt.
4 Und als er mit ihnen beim Mahl zusammen saß, forderte er sie auf, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern das Versprechen des Vaters zu erwarten, „das ihr“, (so sprach er,) „von mir gehört habt; 5 denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.“ 6 Die bei ihm Sitzenden fragten ihn nun: „Herr, wirst Du wohl in dieser Zeit die Königsherrschaft für Israel wiederherstellen?“ 7 Er antwortete ihnen: „Es ist nicht eure Sache, Fristen und Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in seiner Fülle gesetzt hat; 8 vielmehr werdet ihr die Kraft des Heiligen Geistes erfassen, der euch überkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis hin zum Ende der Erde“.
9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren aufmerksamen Blicken erhoben, und eine Wolke nahm ihn auf, fort von ihren Augen.
10 Und wie sie da bei seinem Fortgehen so unverwandt in den Himmel starrten, siehe, da standen zwei Männer bei ihnen, weiß gekleidet, 11 und sagten: „Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut in den Himmel? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird in der selben Weise wiederkommen, wie er vor euren Augen in den Himmel fortging“.
12 Darauf kehrten sie nach Jerusalem zurück, von dem Berg, der Olivenhain genannt wird, gerade einen Sabbatweg (˜ ca. 1 km) von Jerusalem entfernt. 13 Als sie (in die Stadt) hineinkamen, gingen sie hinauf ins Obergeschoss, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus und Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, Alphäus´ Sohn, Simon, der Eifernde, sowie Judas, Jakobus´ Sohn .
14 All diese blieben treu beisammen, eines Sinnes im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, Jesu Mutter, und mit seinen Brüdern.


Auslegung 

Seit langer Zeit wird der Himmelfahrtstag als Vatertag begangen, bei so genannten „Christen“ genau so wie bei Nichtchristen. Bereits im 19.Jhdt. hat sich die Tradition der „Herrenpartie“, die aus uralten Handwerksbräuchen herrührt, fast unmerklich auf den Himmelfahrtstermin gelegt. „Herrenpartie“ hieß: Ohne Frauen und Kinder, dafür mit Männern und Alkohol. Sicher lassen sich manche ethnologische oder psychoanalytische Spekulationen über diesen Brauch anstellen, auch darüber, warum der Volksbrauch sich ausgerechnet das Kirchenhochfest Jesu Himmelfahrt ausgesucht hat: Konnte so die männliche Dreifaltigkeit nun endlich wieder unter sich sein? Oder eilt Jesus Ödipus symbolisch zum Papa zurück und widerruft seine Menschwerdung - es war ja nicht so gemeint! - wie C.G.Jung argwöhnt? Oder gibt es viel schlichtere Gründe, etwa, dass Ostern vorbei ist, Pfingsten noch bevorsteht, das Wetter Feste im Freien begünstigt, und überhaupt die Himmelfahrt sowieso nur bei Lukas berichtet wird, während die anderen Evangelien diskret zu diesem Thema schweigen, mithin dieses Fest nicht ganz so wichtig sein kann?
Wir werden eine Antwort nie erhalten, aber es entsteht die Frage: Warum nur Lukas? Was wollte er uns mitteilen?
Wir hören, dass Jesus innerhalb von 40 Tagen verschiedene Begegnungen mit den Aposteln hatte. Dann „verabschiedet“ er sich mit einem ziemlich spektakulären Akt, einer „Fahrt“ in den Himmel. Das deutsche „Fahrt“ hat ja was ungeheuer Aktives, was Schnelles, was Automobiles. Im Originaltext, wie wir ihn gerade hörten, ist aber nur die Rede von „erhoben werden“ und „von einer Wolke aufgenommen“. Das klingt stiller, innerlicher, eigentlich eher unspektakulär. „Fort von ihren Augen“, heißt es da. Das ist ein überdeutlicher Hinweis darauf, dass es hier nicht um ein empirisches Geschehen geht: Keine CNN-Kamera hätte brauchbare Bilder produzieren können. Was hätten wir im Fernsehen gesehen? Die glotzenden Blicke der Apostel - , die Veränderung der Gesichter - , das Aufhören des Glotzens - , die Freude in den Mienen - , die Heimkehr nach Jerusalem - sonst nichts.
Lukas ist Theologe und Schriftsteller, beides in hohem Maß. Wir verfehlen sein Anliegen, wenn wir ihn - angesichts der scheinbar „niedlichen“ Weihnachtsgeschichte - zum sentimentalen Herrgottsschnitzer machen. Wenn wir seine zwei Evangelien in einem Zug lesen, bemerken wir, dass da ein langer Atem, ein kraft- und kunstvoller erzählerischer Duktus herrscht. Und von Anfang an geht es ihm um nichts anderes als um die Darstellung der göttlichen Heilsgeschichte, die in Jesu Erhöhung mündet und in seinen Auftrag an die Apostel, Kirche zu sein.

ð Schauen wir uns, erstens, das Motiv „Wolke“ an.
Natürlich bezieht sich der hoch gebildete Lukas auf die ganze alttestamentliche Überlieferung des Wolkenmotivs. Im Buch Exodus taucht dieses ganz und gar unnatürliche Naturereignis verschiedentlich auf; vor unserem heute gehörten Text gab es die Wolke bereits: „Der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten“ (Ex 13,21); als der Pharao mit seinen Truppen sie verfolgt, sorgt die Wolken-Feuer-Säule dafür, dass man einander nicht zu nahe kommt, und eine vernichtende Schlacht vermieden wird (Ex 14,19f.). Und schon hier ist ein Motiv erkennbar, das sich durch alle Heiligen Schriften zieht: Gott zeigt sich als im Wort Sprechender und zugleich als sich Verbergender. Zunächst erscheint uns das als Gegensatz: Wenn einer spricht, teilt er sich mit, wenn einer sich verbirgt, teilt er sich nicht mit. Das ganze AT ist voller solcher Geschichten, die jüdische Auslegung der Schriften lebt von den zahllosen Paradoxen, die unsere Gottesvorstellungen hervorrufen. Das weiß und kennt Lukas, er spielt mit diesen Paradoxen.
Es gab schon einmal eine Wolke bei Lukas: In der Erzählung von der Verklärung Jesu kommt eine Wolke und wirft ihre Schatten auf die drei anwesenden Jünger. „Sie gerieten in diese Wolke und bekamen Angst“, heißt es da (Lk 9,34). 
Die Wolke ist immer Signum Gottes: Er ist da, aber verborgen zugleich. Geheimnis des Glaubens! Wer kennt nicht den kindlichen oder jugendlichen (dem Herzen nach!) Blick gen Himmel zu den Wolken: Alles ist dort sichtbar, wenn man es sehen will. Anders gesagt: Gottes Antlitz verbirgt sich prinzipiell. Die christlichen Mystiker haben oft gesagt, das göttliche Licht sei - ungefiltert - unerträglich für das menschliche Auge - wie das Licht der Sonne; andere Aussagen finden wir aber ebenso: „Inmitten undurchdringlichen Dunkels übertreffen die göttlichen Mysterien an Glanz alles, was ohnehin größere Leuchtkraft besitzt als alles übrige“ (Dionysios Areopagita, um 500 n.Chr.). Da ist es wieder, das Paradoxon: Das überlichte Dunkel, das undurchdringliche Licht, das sprechende Schweigen, die verborgene Gegenwart Gottes im Brot, die Erhöhung am Kreuz. Unser Glauben ist ein Sein im Paradoxen. Glauben ist paradox - gegen die Regel, gegen die Mehrheitsmeinung, am Konsens vorbei. So gesehen, ist christlicher Glaube nicht mehrheitsfähig, ist im Tiefsten subversiv.
Deshalb bekamen die Zeugen der Verklärung Angst. Wer sich dem Paradoxen des Daseins konfrontiert, bekommt erst mal Angst. Das ist nicht jedermanns Sache. Denn die Überwindung der menschlichen Angst ist nur auf zwei Weisen möglich: Durch Dauermedikation mit Psychopharmaka oder durch das Annehmen des Wortes Gottes, dass alle Angst entmachtet ist. Wählen Sie! 
In unserer heutigen Geschichte also verbirgt sich Jesus vor unseren Blicken mittels einer Wolke. Die Entrückung Jesu ist also nicht einmal den ersten Zeugen direkt zugänglich! Da muss man schlucken, da muss man einen Moment lang starren. Aber dann wird durchgestartet: Wie bei den Emmaus-Jüngern, die ja auch eine Weile brauchten, bis sie begriffen. Dann aber hatten sie es sehr eilig, nach Jerusalem zurückzukehren.
Die Wolke sagt, dass das Geheimnis der göttlichen Liebe nur im Glauben zugänglich ist, gegen das, was uns der Alltag als normal vorgaukeln mag. Die Wirklichkeit Gottes ist nicht normal.

ð Schauen wir uns, zweitens, das Motiv „Engel“ an.
In der jüdischen Schöpfungstheologie gibt es den einen Gott (und seine „Heerscharen“ samt den Engeln), dann gibt es die Erde mit all ihren Reichen, und dazwischen steht der Mensch, zum Hüter und Bewahrer der Welt bestellt, aber in vollkommener, einseitiger Abhängigkeit von Gott. Irgendwelche Baumgeister, Trolle, Feen oder andere „Zwischenwesen“ kennt die jüdische Theologie nicht.
Wenn Gott spricht, so tut er es entweder rein akustisch, verborgen in irgendeinem irritierenden Naturereignis, also aus einer Wolke, einem brennenden Dornbusch (Ex 3,2), einer Taube (Lk 3,22), oder er benutzt Wortboten-Gestalten, die wir (vom griechischen angelos = Bote, auch: Botschaft!) „Engel“ nennen.
Bei Lukas gibt es einige prominente Textpassagen, in denen solche Boten erscheinen. Ich übergehe jetzt mal die Stellen aus Jesu Vor- und Frühgeschichte, in denen Engel eine zentrale Rolle spielen (etwa die Verkündigung an Zacharias, an Maria, an die Hirten der Geburtsnacht), und betrachte nur die Erzählungen, in denen, wie in der Himmelfahrtsgeschichte, zwei Engel als „Deuter“ der Ereignisse auftauchen.
Da ist zunächst wieder die Verklärungsgeschichte (Lk 9,28-36). Auch sie spielt auf einem hohen Berg. Die zwei Lichtgestalten zu Jesu Seiten haben hier Namen: Sie werden Mose und Elia genannt. Mose, Vorvater und Befreiungsführer aus der ägyptischen Sklaverei; Elia, wichtigster der Ur-Propheten und unermüdlicher Kämpfer für den Glauben an den einen Gott, Jahwe - mit einem Wort: Zwei Gestalten, die den Glauben, die Hoffnung, die Verheißungen, die Identität der gesamten Israel-Geschichte bündelnd repräsentieren. Diese beiden stehen beim verklärten Jesus und sprechen über die Erfüllung der Geschichte in Jerusalem. Dabei leuchten sie ihrerseits. Sie interpretieren das Ereignis Jesus als Erfüllung der Geschichte Gottes mit seinem Volk und allen Menschen.
Dann ist da die Auferstehungserzählung (Lk 24, 1-12). Die Frauen, die am Ostermorgen nach dem Grab schauen, finden es leer. „Und wie sie noch fassungslos da standen, siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Kleidern zu ihnen. (...) Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten!? Er ist nicht hier: Er ist auferstanden!“. Auch diese zwei Wortboten erläutern den Fassungslosen, was dieses Geschehnis heilsgeschichtlich für eine Bedeutung hat. Während aber die drei Zeugen der Verklärung zunächst schwiegen, liefen die Frauen sofort in die Stadt zurück und „verkündeten das alles den Elfen und allen anderen“. Anders gesagt: Die Botschaft der Engel, dass Jesus auferstanden sei, hat den einzigen Zweck, weiter gesagt zu werden. Die Engel machen das Ereignis zur Botschaft, die Frauen werden zu Zeugen des Wortes (nicht der Auferstehung selbst!), sie hören, begreifen, und werden selbst zu Boten des Wortes, zu Trägern der Predigt (˜ Kerygma): Sucht den Lebenden nicht bei den Toten, sondern in eurem Leben!
Da ist schließlich die „Himmelfahrt“ selbst: Hier fordern die weiß Gekleideten die Apostel auf, nicht zum Himmel zu starren - denn da gibt es nichts zu sehen. Alles Nötige hat Jesus ihnen bereits gesagt, und sein Wiederkommen wird in genau derselben Weise vonstatten gehen wie sein Fortgehen: Unseren empirischen Augen nicht zugänglich, aber in derselben wirklichen Weise, wie sie sein Fortgehen erlebten. Wirkliche Weise heißt, dass sie reale Wirkung erzeugt: Wie die Osterfrauen sofort heim eilten, wie die Emmausjünger „noch in derselben (Nacht-)Stunde“ nach Jerusalem zurückgingen, so kehren auch die Zeugen der Himmelfahrts-Botschaft in die Stadt zurück, um dort im Gemeinde-Sein ihr neues Sein zu finden. Die Apostel waren also nicht Zeugen der Himmelfahrt gewesen (da war ja die Wolke), sondern Zeugen der Botschaft „Himmelfahrt“. Die Engel hatten ihnen erläutert, was es auf sich hat mit dem Fortgehen und Wiederkommen Jesu. Und nun werden sie erneut selbst zu Boten des Wortes, zu Trägern der Predigt: Sucht den Lebenden nicht im Himmel, sondern bei euch in der Gemeinde!
Die Engel sind mithin so etwas wie Dolmetscher des Wortes Gottes, damit wir nicht auf leere Orte starren, sondern unsererseits mit dem Übersetzen beginnen.

ð Damit kommen wir, drittens, zum Motiv „Himmel“.
Die Engländer kennen einen Unterschied zwischen sky und heaven, also zwischen dem empirischen, natürlichen und dem geistlichen Himmel. Auch die Italiener unterscheiden zwischen cielo und paradiso. Im Deutschen haben wir nur ein Wort, was zu mancherlei Missverständnissen geführt hat und führt. Darin haben wir es ähnlich schwer wie die alten Griechen: Die haben auch nur den Uranos. „Himmel“ bedeutet im Deutschen so viel wie „Decke/Gewölbe“ - das kommt noch aus Zeiten, da die Erde flach und der Himmel eine Art Käseglocke waren. Die Gleichung „räumlich oben = Ort Gottes“ ist ebenso fatal wie die Gleichung „zeitlich nach dem Tod = bei Gott sein“. Aber dieses räumlich-zeitliche Verständnis des Göttlichen Bereichs (wie Teilhard de Chardin das mal nannte) ist kaum auszurotten. Wir starren darauf wie die Apostel auf den leeren Fleck, die Wolke auf dem Himmelfahrtsberg. 
Dass viele dieser Geschichten auf einem Berg spielen (ich erinnere nur an Sinai, Horeb, Golgotha usw.) dient in frühesten Text-Schichten vermutlich noch der bildhaften Veranschaulichung der Nähe zum Himmel/zu Gott, späterhin wird es mehr und mehr zu einer rein theologischen Aussage: Die auf einem Berg stattfindenden Ereignisse sind einfach herausgehoben, für alle sichtbar, daher für alle bedeutsam und gültig. Umso befremdlicher und gewichtiger klingt dann natürlich die Botschaft: Starrt nicht in die Höhe - hier gibt es gar nichts zu sehen! Der Himmel, in den wir mit den Aposteln zu starren gewohnt sind, ist leer; die Natur offenbart euch nicht euren Gott; sucht Gott nicht dort, wo er sich gar nicht befindet! 
Wären nicht die Wortboten aufgetreten - die Apostel stünden wohl noch heute mit offenen Mündern da. Der Himmel im biblischen (und lukanischen) Sinn ist z.B. im Obergeschoss, wo man sich als Gemeinde trifft. Darauf weisen die Engel hin. Und die Apostel erfassen augenblicklich dieses Geheimnis, es leuchtet ihnen ein, was die Engel sagen. Die ganze sog. Apostelgeschichte ist eine unendliche Geschichte solcher Erleuchtungen.
Der Himmel ist also keineswegs dort, wohin wir üblicherweise starren.

ð Das führt uns, viertens, zum Motiv „Erhöhung“.
Es gibt ja einen zweiten Himmelfahrtsbericht, am Ende des 1. Lukasevangeliums:
„Jesus erhob seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, trennte er sich von ihnen und wurde zum Himmel erhoben; sie aber fielen vor ihm nieder. In großer Freude kehrten sie nach Jerusalem zurück und waren fortan unaufhörlich im Dienst Gottes, indem sie ihn priesen.“ (Lk 24, 50-53)
Wie die Erzählung in der sog. Apostelgeschichte wird auch dieser Passus strikt aus der Perspektive des Zuschauers erzählt, also aus unserer Perspektive. Da fallen sie vor ihm nieder - eine Geste, die in der lukanischen Theologie einzig gegenüber Gott gepflegt wird. Diese „Entrückung“ ist also eine Erhöhung. 
Die 40 Tage zwischen Auferstehung und Himmelfahrt beschreibt, wie gesagt, nur Lukas. Für alle anderen Autoren (zumindest die kanonischen) geschieht die Erhöhung Jesu zeitgleich mit dem Ereignis „Kreuz und Auferstehung“. Die Bibelforschung ist derzeit ziemlich einmütig der Auffassung, dass es für diese eigentümliche „Zwischenzeit“ der lukanischen 40 Tage vor Lukas keine Tradition gab, weder eine literarische noch eine liturgische. Während der ersten 5 Jahrhunderte christlicher Gemeindebildung und Verkündigung kannte man nur die österliche Erhöhungsbotschaft; die Himmelfahrt als liturgische Angelegenheit und als Bestandteil von Bekenntnisformeln bildete sich erst danach heraus.
Man ist sich einig darin, dass es sich bei Lukas um eine eigenständige, theologisch-literarische Formung handelt. Lukas lässt nirgendwo einen Zweifel daran aufkommen, dass er zwischen dem irdischen Jesus und dem Auferstandenen unterscheidet, aber er fügt eben noch ein paar Wochen quasi-irdischen Wirkens Jesu ein, bevor der sich endgültig den Augen der Apostel entzieht. So als müsste er ihnen noch ein wenig helfen, Schritt für Schritt seine neue Daseinsweise zu begreifen, und die ihre zugleich. Deshalb ist die lukanische Schreibweise so organisch, alles kontinuierlich in gleichsam menschlichen Schritten nacheinander und nachvollziehbar. Wie der gute Hirte, der seine Schafe auf die richtige Weide führt und verhindert, dass sie sich in die Wüste verirren.
Dann wird auch klar, dass die Auferstehung, die Begegnungen mit den Aposteln und die Himmelfahrt für Lukas nicht etwa historische Stationen Jesu auf dem Weg zum Vater sind, fein säuberlich chronologisch aufgereiht und in der Aussendung des Geistes zu Pfingsten gipfelnd, sondern eher Aspekte der einen großen Ostergeschichte vom Einbruch des Lebens in den Tod, eines Geschehens, das sich nur dem Glauben erschließt und seine tiefgreifenden Konsequenzen im Leben der frühen Gemeinde bis heute entfaltet. Darum ist es nur konsequent, wenn Lukas quasi ein zweites Evangelium schreibt: Einen Bericht von der Zeit nach Jesus, einer Zeit des erhöhten Christus, einer Zeit in der der Geist des Auferstandenen sich in der frühen Kirche entfaltet. 
Dies ist also eine Geschichte der Erhöhung Jesu, die unsere Erhöhung ist.

ð Damit sind wir, fünftens, beim Motiv „Predigt“ angelangt.
Weder die Auferstehung noch die Himmelfahrt haben direkte Zeugen gehabt (wenn wir von einigen apokryphen Autoren absehen). Wir lesen immer nur von Deutungen, Erläuterungen seitens der Wortboten. Das Geschehen wird im erläuternden Wort der Boten zur Botschaft, wir Hörenden werden unsererseits Boten des Wortes, indem wir predigen. Wir werden auch selbst zur Botschaft - wie die Apostel -, indem wir das erlösende Wort der Liebe Gottes ins praktische Leben der Gemeinde bringen. Dieser Vorgang heißt Kirche.
Von Anfang an ist also die Predigt das sicht- und hörbare Ereignis. Der Inhalt der Predigt, die unüberbietbare, ungeschuldete Liebe Gottes, ist kein natürliches Ereignis, sondern kann sich nur im Wort der Predigt ereignen, im Paradox des Hörens von Unerhörtem. Deshalb haben wir ja solche Schwierigkeiten, salbungsvollen, einlullenden Predigten zuzuhören: Eigentlich erwarten wir ja ein Wort, dass uns aus unserem Starren, unserem Starrsinn herausschreckt wie das Wort der Engel zu den Aposteln. Eigentlich wollen wir ergriffen staunen. Und das geht nur, wenn das Wort an unseren Erwartungen vorbei geht - eben para-dox ist.
Lukas will uns Heilsgeschichte nahe bringen. Die hört Ostern nicht auf, sondern setzt sich bruchlos fort in der Geschichte der Gemeinde. „Geht nicht fort von Jerusalem“, hieß es ja, bleibt zusammen und lasst das heilende Wort gedeihen und wachsen, indem ihr es weitersagt. Jerusalem ist die Chiffre für die neue Daseinsweise der Apostel, die kontinuierlich aus der alten hervorgeht. Und die heißt: Sagt das Wort Gottes weiter, einander und allen anderen, wo ihr geht und steht, furchtlos.

ð Damit kommen wir, sechstens, zum Motiv „sitzt zur Rechten“.
Bis in den aktuellen Knigge hinein ist der Platz rechts vom Herrn oder Gastgeber ein privilegierter Platz. Bis heute sprechen wir von der „rechten Hand des Chefs“. Es geht also um Rechte. In unserem Lukas-Text begegnen wir diesem Motiv etwas später bei der Schilderung von Stephanus´ Steinigung: „Erfüllt vom Heiligen Geist, blickte er in den Himmel (nicht „zum Himmel empor“, wie die Einheitsübersetzung meint), sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus in den Rechten Gottes stehen und rief: Seht, ich sehe die Himmel weit geöffnet und den Sohn des Menschen in den Rechten Gottes stehen!“ (Apg 7,54f.). (Wörtlich heißt es im Griechischen „aus den Rechten“, also sinngemäß: beschenkt mit der Fülle der Rechte seines Vaters)
Das ist die neue Daseinsweise des Jesus, der der Christus ist: Vollkommen in die Rechte Gottes hineingenommen, in die Prokura über alles, in die Verantwortung für alles. Auch dies hatte schon sein Vorspiel in den Worten des Vaters bei Jesu Taufe im Jordan: „Du bist mein fürsorglich geliebter Sohn, in dir komme ich vollkommen zur Geltung!“ (Lk 3,22). Das meint dieses ominöse „zur Rechten Gottes“: Die Prokura, d.h. die Handlungsvollmacht und uneingeschränkte Fürsorge für die Angelegenheiten Gottes. So groß ist die Liebe des Vaters, dass er seine „Geschäfte“ uneingeschränkt in die Hände seines Sohns legt. Und wir sind einbezogen in diese Liebe - das ist ein weiterer Aspekt des Himmelfahrtsbildes: Jesus geht nicht ohne uns, er nimmt uns mit hinein in die Rechte, in die Prokura der göttlichen Liebe. Wir dürfen sie uneingeschränkt weiter geben.
ð Damit kommen wir, siebtens und letztens, zum Motiv „Segen“.
Der Segen wird nur am Ende des 1. Lukasevangeliums ausgesprochen, nicht in der heute verlesenen Stelle der frühen Kirchengeschichte. In beiden Erhöhungstexten jedoch sind die Worte Jesu eingebettet in und führen hin zur frühkirchlichen Liturgie. Das ist zuletzt das Anliegen der Lukas-Erzählungen: Jesu Leben, Wirken und schließliche Erhöhung sind eine Geschichte der Liturgie eines ganzen Lebens zur Verherrlichung der Liebe Gottes. Die Himmelfahrtserzählung bildet den Abschluss einer Liturgie des Lebens Jesu und begründet zugleich den Beginn einer Liturgie der Gemeinde. Noch heute schließt der priesterliche Segen mit den Worten „Gehet hin!“. 
Nach dem Segen kehrten die Apostel „in großer Freude nach Jerusalem zurück und waren fortan unaufhörlich im Dienst Gottes“ - so schließt das 1. Lukasbuch. Diese „große Freude“ gibt es nur noch ein weiteres Mal bei Lukas, als der Engel den Hirten verkündet: „Fürchtet euch nicht! Seht, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk zu Teil werden wird: Heute ist euch der Erlöser geboren, welcher ist Christus, der Herr!“ (Lk 2,10f.).
So endet das Lukasevangelium, wie es begann. Und so mündet es in die Geschichte der frühen Kirche, als deren Erben wir 2000 Jahre später hier beisammen sind, um zu beten, zu singen, das gemeinsame Mahl zu feiern, die Liebe des Herrn zu predigen, seinen Segen zu erneuern. Er hat uns mitgenommen in die Rechte Gottes, unseres Vaters. Und dann hat er noch gesagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt!“ (Mt 28,20)
Uns bleibt die reine Freude!
So soll es sein.


Lesung nach dem Mahl

3. 1 Petr 1, 6 - 9
„Dann seid voller Freude, obwohl ihr zur Zeit vielleicht vorübergehend in mancherlei Erprobung verstrickt seid. Dadurch soll euer Glaube echt werden und er wird sich als wertvoller denn das vergängliche Gold erweisen, das im Feuer geprüft wurde. (...) 
Ohne ihn gesehen zu haben, liebt ihr ihn; auch jetzt seht ihr ihn nicht und glaubt an ihn; so jubelt ihr in unaussprechlicher und erleuchteter Freude, da ihr das Ziel eures Glaubens empfangt: Euer Heil!“ 


Schlussgebet

Du, unser Vater und unser Gott,
Dein Leben ist in den Tod hinein geboren worden,
mit Dir sind wir auferstanden aus unserem Tod,
mit Dir werden wir erhöht.
Mach uns zu Deiner Gemeinde,
verbirg Dich nicht.

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Übersetzungen der Schriftstellen:
Martin Luther / Martin Buber / Zürcher Bibel / Einheitsübersetzung / Chr.Gallasch

Verwendete Literatur:
A. Bibelfassungen / -übersetzungen:
Novum Testamentum Graece, cur.E.Nestle, Stuttgart 1901
Die fünf Bücher der Weisung, verdeutscht von M.Buber / F.Rosenzweig, Stuttgart 1992
Die Bibel, nach der Übersetzung M.Luthers, Stuttgart 1987
Die Heilige Schrift („Zürcher Bibel“), Stuttgart 1966
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Stuttgart 1980
B. Theologische Literatur:
Knauer, Peter, Der Glaube kommt vom Hören, Freiburg 1991
ders., Unseren Glauben verstehen, Würzburg 31986
Lohfink, Gerhard, Die Himmelfahrt Jesu, München 1971
Pesch, Rudolf, Die Apostelgeschichte, Zürich 1986
Weiser, Alfons, Die Apostelgeschichte, Kapitel 1-12, Gütersloh 1981

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