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„an den Heiligen Geist“ von: Peter Jentges
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„... wir glauben an den Hl.Geist ...“
(Ez 36, 23 – 27; Joh 14, 15 – 27)

Vorbemerkung: Wenn wir uns am heutigen Abend auf den Glaubensartikel vom Heiligen Geist einlassen, könnte man einwenden: Aber wir haben doch noch gar nicht Pfingsten!
Gott sei Dank ist der Geist Gottes nicht an den Kalender gebunden: Er weht, wann und wo er will ! 

Der dritte Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses spricht vom Heiligen Geist. Auffallend ist, dass da aber so gut wie nichts über ihn steht. Von den 76 Wörtern des lateinischen Textes findet er gerade mal mit vier Wörtern Erwähnung: Credo in spiritum sanctum: Ich glaube an den Heiligen Geist. Im großen Bekenntnis von Nicäa-Konstantinopel steht zwar etwas mehr über ihn, aber immer noch wenig - gemessen am Gesamttext. Wie kommt das? Ist der Heilige Geist das „Stiefkind der Theologie“, wie der reformierte Theologe Emil Brunner es formulierte? Warum können wir mit dem Heiligen Geist wenig anfangen? Warum steht das Pfingstfest nicht besonders hoch im Kurs - im Unterschied zu Weihnachten und Ostern? 

Bevor wir uns diesen Fragen weiter zuwenden, möchte ich die Aufmerksamkeit auf einen Punkt des großen Bekenntnisses lenken. Dort steht eine Aussage über den Geist, die zu folgenschweren Jahrhunderte langen Streitigkeiten führte, die bis heute andauern. Nur diese Tatsache rechtfertigt heute noch die Beschäftigung mit einem theologischen Streit, der uns heute aberwitzig erscheint. Es heißt dort: „Und (wir glauben) an den heiligen Geist (...), der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht“. Im griechischen Urtext heißt es jedoch lediglich, dass der Geist aus dem Vater hervorgeht. Die Formulierung „und dem Sohn“ (lat. filioque) etablierte sich erst ab dem 6.Jhdt. als Zusatz im lateinischen Bekenntnis der Westkirche.
Was ursprünglich in Abgrenzung zu den Arianern gedacht war, die die göttliche Natur des Sohnes bestritten, führte zu einem kirchenpolitischen Machtkampf. Die Griechen erhoben gegenüber dem Westen den Vorwurf der Häresie, denn der doppelte Ausgang des Geistes aus dem Vater und dem Sohn könne zum Missverständnis einer Zwei-Götter-Lehre führen. Die Ostkirche reklamierte für sich die Orthodoxie, den rechten Glauben. Die westlichen Kaiser führten sukzessive das filioque in das gottesdienstliche CREDO ein - gegen den erklärten Willen Roms! Demonstrativ ließ Papst Leo III. (Anfang 9.Jh.) zwei silberne Schilde mit dem alten Text in lateinischer und griechischer Sprache in St.Peter anbringen. 
Dennoch nahm Benedikt VIII. schließlich das filioque im Jahr 1014 offiziell in die Liturgie auf. 40 Jahre später warf ein Kardinal grotesker Weise der Ostkirche vor, sie hätte das filioque abgeschafft! Der Bruch zwischen Ost- und Westkirche war mit dem Jahr 1054 perfekt. Eine Lösung dieses verhängnisvollen Konflikts sieht Yves Congar - einer der führenden französischen Konzilstheologen des 2. Vatikanischen Konzils - darin, dass das römische Lehramt die unzulässige Erweiterung zurücknimmt und damit den ursprünglichen Wortlaut wieder herstellt. 
So weit dieser Exkurs um den sogenannten „filioque-Streit“. 

Das Apostolikum enthält sich der Aussagen über den Heiligen Geist. Es steht da nur: credo in spiritum sanctum. Doch was ist der Geist? Die Hebräische Bibel hat dafür das Wort ruach. Das heißt: Hauch, Lebensatem, Wind, Sturmbraus. Die ruach ist greifbar und doch nicht greifbar, unsichtbar und doch mächtig, lebenswichtig, wie die Luft die man atmet; energiegeladen wie der Wind, der Sturm (s. H.Küng, Das Christentum, S.68 f). Gemeint ist damit nichts anderes als die von Gott ausgehende lebendige Kraft und Macht (dynamis), die unsichtbar wirkt. Gott ist Geist (Joh 4,14). 
„Können Sie sich vorstellen, was eine Million Kilowatt Strom ist? Ganz sicher sehr viel Strom, doch mit dieser Auskunft dürfte unsere Vorstellungskraft bei weitem überfordert sein. Können Sie sich aber vorstellen, was man mit einer Million Kilowatt Strom machen kann? Alle Züge eines Tages über den Gotthard transportieren. Potentielle, also ruhende Energie ist zwar voller Kraft, aber nur sehr schwer vorstellbar, weil nicht sichtbar. Kinetische, also bewegende Energie kann man sehen an ihren Wirkungen, die sie hervorzubringen vermag. 
Ähnlich verhält es sich mit dem christlichen Glauben an den Heiligen Geist. Er ist nur an seinen Wirkungen und an der Dynamik seiner kinetischen Energie zu erkennen. Solange wir ihn uns nur als potentielle Energie vorstellen, bleibt er uns weithin entzogen. Darin liegt das Problem, das wir mit dem Glaubensbekenntnis zum Heiligen Geist haben.“ 
So weit der Basler Bischof Kurt Koch. Karl Rahner sagt in seinem Bekenntnis zum Geist Gottes u.a.: 
„Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann. 
Ich glaube, dass er mein Wesen durchdringen kann. 
Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten verändern kann. 
Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.“

In unserer Sprache nennen wir Gottes Geist heilig, weil er uns heil, d.h. ganz machen, heilen kann. Der Prophet Ezechiel spricht davon, dass Gott den Menschen ein anderes Herz und einen neuen Geist schenkt, dass er ihr Herz aus Stein aus ihrer Brust nimmt und ihnen ein Merz aus Fleisch gibt (Ez 11,19 f. und 36,26). Die Wirkungen des Geistes - Paulus nennt sie die „Früchte des Geistes“ - sind Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Nachsicht - so beschreibt er sie im Galaterbrief, im 5.Kapitel. Diese Früchte fallen nicht einfach vom Himmel; sie stellen sich nicht ohne unser Zutun ein. Jesus hat uns hierfür seine Hilfe, seinen Beistand zugesagt. In den Abschiedsreden Jesu verwendet Johannes den Begriff „Beistand“ als Attribut des Geistes, griech. „Paraklet“. (Dieser Begriff wurde unübersetzt in die lateinische Übersetzung aufgenommen.) Johannes spricht nicht vom „Tröster“(!), wie manche entstellende deutsche Übersetzungen, sondern vom „Beistand“; von einem, der uns bei-steht und uns an alles erinnert, was Jesus gesagt hat (Joh 14,26). 
Die Bezeichnung „Tröster“ (lt. consolator) taucht erstmals um 1200 im Hymnus „veni sancte spiritus“ auf; im wesentlich älteren Hymnus „veni creator spiritus“ steht „paraklet“! 

In seinen Vorlesungen zum Apostolikum macht Joseph Ratzinger in den 60er Jahren darauf aufmerksam, dass die Kernaussage im dritten Teil dieses Bekenntnisses im griechischen Urtext lautet: „Ich glaube an Heiligen Geist“. 
„Es fehlt also der bestimmte Artikel, wie wir ihn aus unserer Übersetzung gewohnt sind. Für die Deutung des ursprünglich Gemeinten ist das sehr wichtig(...). Der dritte Teil (des Bekenntnisses) verweist in erster Linie nicht auf den Heiligen Geist als dritte Person in der Gottheit, sondern auf Heiligen Geist als Gabe Gottes...“ 
Soweit das Zitat. 

Die Lehre von der Trinität, von einem Gott in drei Personen, ist spekulativ. Im ganzen Neuen Testament gibt es zwar den Glauben an Gott, den Vater, an Jesus, den Sohn und an Gottes heiligen Geist, aber es gibt keine Lehre von einem Gott in drei Personen (s. Küng, Das Christentum, München 1994, S.127). Wenn Jesus seinem Begriff von Gott einen personalen Kamen gibt (Abba = Papa), dann ist dies ein Bild-Name, eine Metapher: Ausdruck grenzenlosen Vertrauens, ähnlich wie andere biblische Metaphern über Gott: Hirte, Fels, Burg, „tröstende Mutter“ (Jes 66,13). Gott ist nicht Person: er ist Geist - Ursprung von allem, was ist - im Anfang der Schöpfung als Sturmbraus schwingend über den Wassern. Er ist unendlich mehr als Person: Er ist transpersonal, überpersönlich. 

Von ihm sprechen können wir nicht anders als in Bildern, wohl wissend, dass wir ihn damit nicht definieren können. Der Geist ist die von Gott ausgehende unsichtbare Kraft und Macht, die nur an ihren Wirkungen erkennbar ist. Sie äußert sich nicht primär im „Außer-ordentlichen“, sondern im alltäglichen Zusammenleben. 
Der Geist Gottes wohnt in uns als Helfer und Beistand, um uns heil zu machen: Ich glaube an den heiligen Geist. Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten verändern kann. Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann. Ich glaube, dass er mir Kraft in meinem Leben geben kann. 

Bitten wir ihn mit den Worten M.L.Thurmairs: 
„Du stille Macht, du verborgne Kraft, 
Geist des Herrn, der in uns lebt und schafft, 
wohne du uns inne, uns anzutreiben; 
bete du in uns, wo wir stumm bleiben.“ (GL 248,5)

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