„... an die Vergebung der Sünden und die Heilung der Kränkungen ...“
(Gen 27, 23b – 41; 33, 1 - 11)
Begrüßung
Wohin sollen wir gehen? Jesus, du unser Bruder, wir kommen zu dir.
Du Christus, Messias, Menschenfreund, Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir wollen glauben und erkennen: Du bist der Heilige Gottes, Du bist Geist von seinem Geist. In dir kommt der Ewige in unsere Mitte.
Zum Kyrie
Komm uns entgegen, Geist aus Gott. Hole uns heraus aus den Höhlen unserer Sorgen, aus den Verstecken unseres Eigennutzes: Komm uns entgegen!
Komm uns zur Hilfe, Leben aus Gottes Kraft, Befreie uns aus den Labyrinthen unserer Hilflosigkeit, aus den Sackgassen unserer Verzweiflung: Komm uns zur Hilfe!
Komm uns nahe, Du Atem der Ewigkeit, lass uns atmen in dir, ströme uns durch Herz und Sinne. Mach uns bereit für dein Wehen!
Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde!
Wenn ich das CREDO ändern könnte, würde ich die Formulierung vorschlagen: ICH GLAUBE AN DIE VERGEBUNG DER SÜNDEN UND DIE HEILUNG DER KRÄNKUNGEN. Warum mir das so wichtig ist, will ich versuchen zu erklären. Und ich werde mich dabei auf die alte Geschichte von Esau und Jakob beziehen. Es ist eine lange und komplizierte Geschichte und reicht von Genesis 25 bis 33. Darum werden wir hier nur zwei Abschnitte vorlesen. Die erste macht deutlich, was Kränkungen sind. Und die zweite macht zum Glück deutlich, wie eine Heilung der Kränkungen aussehen kann. Es lohnt sich vielleicht, zwei Dinge vorauszuschicken.
1. Esau und Jakob sind Zwillinge. Wer ist in einem solchen Fall der Erstgeborene und damit der Träger des Segens? Esau kommt ein paar Minuten vor Jakob zur Welt. Damit ist er für Vater Isaak der Erste und folglich der Chef de famille. Jakob erblickt als Zweiter das Licht der Welt. Muss er deshalb dem Esau den Vortritt lassen? Rebekka, die Mutter, hatte mit der Zwillingsschwangerschaft ihre liebe Not gehabt. Aber sie meinte auch, ein Wort des Herrn vernommen zu haben, in dem es hieß, dass der Ältere dem Jüngeren dienen werde. Das hatte sie in ihrem Herzen bewahrt.
2. Dieses Wort, das Rebekka empfing, sprach nicht nur von zwei Söhnen, sondern von zwei Völkern, die sich in ihrem Leib stoßen. Später in der Geschichte wird ausdrücklich festgestellt: Jakob, das ist Israel. Esau, das ist Edom. Zwischen den Israeliten, den Nachkommen Jakobs, und den Nachfahren des Esau, den Edomitern und Horiten und Amalekitern, kurz gesagt, den Völkerschaften Kanaans, gab es ständig Reibereien und Kriege. Trotzdem gilt: Es besteht eine tiefe Verwandtschaft zwischen den Völkern im Lande Kanaan. Die sich das Land zwischen Mittelmeer und Jordansenke teilen, die begierig sind nach den wenigen fruchtbaren Ebenen, deren Existenz von dem Segen des Landes abhängt, sie sind Zwillinge, Brüder, wie sie näher nicht zusammengedacht werden können! Das gilt auch noch heute. Die Söhne Abrahams und Isaaks sind Brüder! Was also wie eine Familiengeschichte aussieht, ist eine Völkergeschichte.
Doch nun zu der ersten Lesung. Sie erinnern sich an Jakobs verbissenen Kampf um das Erstgeburtsrecht. Sie erinnern sich an den kaltblütigen Betrug, den Rebekka und ihr Liebling ins Werk setzen, um dem erblindeten Vater Isaak den Segen abzutricksen, den dieser eigentlich für Esau gedacht hatte. Wie Jakob sich als Esau ausgibt, dem alten Vater frech ins Gesicht lügt, das ist mehr als Chuzpe. Es ist geradezu kriminell. Aber was tut man nicht alles für den Segen!
(1. Lesung: Gen 27, 23 – 41)
Dann will ich meinen Bruder umbringen. Das ist die Macht der Kränkungen. Sie sind der Zündstoff für Mord und Krieg, für List und Tücke, für Vergeltungsaktionen aller Art. Wir kennen das. Ich kann mich noch sehr genau an Kränkungen erinnern, die ich als Kind erfahren habe, von Lehrern zum Beispiel. Es wird Ihnen nicht anders ergehen. Warum graben sich die Kränkungen so schwer in unser Gedächtnis ein? Sie sind offensichtlich Beschädigungen unseres Selbst, Verletzungen unserer Identität. Kränkungen machen uns krank. Wer uns demütigt, macht uns kleiner, als wir im Grunde sind. Wer uns erniedrigt, verwundet die Achtung, die wir vor uns haben und auch haben müssen. Darum zittern wir in ohnmächtiger Wut. Aus unserem beleidigten Herzen strömen die wildesten Gedanken der Rache. Wir malen uns aus, wie wir es anstellen können, damit unser Quälgeist unsere Qualen zu fühlen bekommt. Wir bilden uns ein, dass es uns besser gehen wird, wenn der andere für seine Übeltat büßen muss.
„Du sollst nicht kränken!“ Ich wollte, es gäbe dieses Gebot. Denn es lässt erkennen, was unsere bösen Taten und Unterlassungen bei den anderen bewirken. In den Kränkungen unserer Mitmenschen spiegelt sich das Gewicht unserer Taten. Wenn wir genauer auf die Kränkungen anderer achten würden, würden wir auch merken, wie schwer wir sie getroffen haben, manchmal auch ohne es zu wollen! Wenn ich die Realität der Kränkungen in den Mittelpunkt stelle, dann will ich die Perspektive des Opfers ins Zentrum rücken. Unser christliches Verständnis von Sünde enthält diese Perspektive nicht. Wenn ich bekenne, dass ich gesündigt habe, dann bleibt offen, an wem ich mich versündigt habe. Ich bin als Sünder der Täter. Aber wer meine Opfer, wer die Leidtragenden sind, das bleibt unklar. Versuchen Sie einmal, das Passiv von „sündigen“ zu bilden. „Ich sündige, und ich werde gesündigt“, das geht nicht. Auch im Englischen oder Französischen funktioniert das nicht. Warum? Weil wir bei das Sündigen offenbar als ein Handeln ohne objektive Wirkungen verstehen. Das wird noch dadurch verstärkt, dass wir uns mit unserer Sünde an Gott wenden. „Vor dir allein habe ich gesündigt“, heißt es in einem Psalm. Von Gott erwarten wir die Vergebung. Aber es bleibt ungeklärt, was diese meine Sünde bei mir selbst, bei meinen Mitmenschen oder bei meinen Mitgeschöpfen bewirkt hat. Das ist eine auffällige Schwäche unserer Bußtheologien, sowohl in ihrer katholischen wie in ihren protestantischen Formen. Es war im Grunde erst die Befreiungstheologie, die in Lateinamerika entwickelt wurde, welche die Opferperspektive in den Mittelpunkt rückte. Sie hat darauf aufmerksam gemacht, dass wir nicht nur Täter sind, sondern auch Opfer, nicht nur Sünder, sondern auch „Besündigte“. Es gibt viele Christenmenschen, und unter ihnen besonders viele Frauen, die sich mit Erbitterung dagegen wehren, ständig als „Sünder“ oder „Sünderinnen“ angesprochen zu werden, obgleich sie sich zuerst einmal als die Leidtragenden der Sünden anderer fühlen. Wie soll sich ein Mädchen, das ständig von seinem Vater erniedrigt oder gar vergewaltigt worden ist, als „sündig“ fühlen? Wird es nicht verlangen können und müssen, dass es in seinem Leid, in seinen Kränkungen und Verwundungen ernst genommen wird? Wir haben uns in unseren Kirchen allzu sehr auf die aktive Seite, auf das Sünder-Sein konzentriert, und darum ist uns das Leid der Opfer aus dem Blick geraten.
Esau träumt von Rache. Der einzige Weg, den er sich in seiner ohnmächtigen Wut vorstellen kann, ist die Ermordung des Konkurrenten; denn wenn kein Bruder mehr da ist, ist die Frage nach dem Erstgeburtsrecht hinfällig. Aber dass er als Brudermörder auch kein Segensträger mehr sein könnte, sondern das Schicksal des heimatlosen Kain erben würde, das vermag er sich in seinem bitteren Gram nicht mehr klarzumachen. Und damit sind wir bei einem zweiten Punkt angelangt, weshalb ich es so wichtig finde, dass wir die Realität der Kränkungen in den Blick nehmen. Denn sehr oft ist es die Kränkung, die den Anlass für Übeltat und Sünde bildet. Es ist die ohnmächtige Wut des Erniedrigten, die sich in Mord und Totschlag ihr Ventil sucht. Es ist der blinde Zorn des Gedemütigten, der Tag und Nacht auf Rache und Vergeltung sinnt. Wir werden die Gewaltakte der so genannten „islamistischen“ Terroristen nicht verstehen, auch nicht den Zorn der Menschenmassen in Amman, Damaskus oder Kairo, wenn wir die tiefe Kränkungsgeschichte der arabischen Welt übersehen. Mit den Kreuzzügen, mit der Vertreibung aus Spanien, mit der Vorherrschaft der Kolonialmächte, vor allem der Franzosen und Engländer, und mit dem Vordringen der US-Amerikaner in die erdölschweren Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, von Jahrhundert zu Jahrhundert, von Generation zu Generation, hat sich diese Kränkungsgeschichte in die Herzen der arabischen Völker eingeritzt und eingegraben. Darum der bodenlose Hass auf den „Westen“, und jetzt besonders auf den „Satan Amerika“. Dass dieser Hass eine selbstkritische Wahrnehmung der eigenen Fehler und Schwächen verbaut, gehört ins Bild. Auch deshalb beklage ich diesen neuen Krieg gegen den Irak. Er vertieft die Kränkungen, verschärft den Hass, vermehrt die Gefahr terroristischer Attentate. Wer meint, die lauernde Gefährlichkeit gekränkter Menschen und Völker mit noch mehr Gewalt beseitigen können, lebt in einem verhängnisvollen Wahn. Denn es geht auch anders.
(2. Lesung: Genesis 33, 1 – 10)
Esau kommt dem Jakob entgegen mit 400 Mann! Was heißt das anderes als Krieg? Zwanzig Jahre sind vergangen seit dem frechen Betrug. Und doch ist kein Kraut über die Sache gewachsen. Ja, es sieht so aus, als sei es aus mit dem gestohlenen Segen. Denn was ist von Esau und seiner Armee zu erwarten? Dass Jakob erschlagen wird, und seine Söhne mit ihm? Dass sein Frauen in die Sklaverei verkauft werden? Dass seine Herden weggeführt werden? Dass sich die gesegnete Arbeit von zwei Jahrzehnten in Nichts auflöst? Jakob versucht es nicht mit einem Verteidigungskrieg, nicht mit Einschüchterungen oder Drohungen. Er hat offensichtlich lange gerungen, eine ganze Nacht lang, mit einer unbekannten Kraft am Flüsschen Jabbok. Er hat um einen Segen gekämpft. Was für ein Segen könnte das sein? Doch wohl nur der Segen, der es ihm möglich macht, auf den Segen des Vaters zu verzichten! Als der Kampf zu Ende ging, ging ihm die Sonne auf. Es wird nicht nur das Licht des Morgens gewesen sein. Ihm ging ein Licht auf, das Licht der Lösung. Aber - von da an hinkte er.
Von da an war er gezeichnet. Als der Bruder mit seiner Heerschar näher rückt, geht er ihm allein entgegen. Wehrlos, entwaffnet. Sieben Mal wirft er sich vor ihm auf den Boden - eine Geste der Selbsterniedrigung. Und was geschieht? Nicht Mord und Gemetzel, sondern Esau läßt sein Kamel auf die Knie gehen (ich nehme einmal an, er saß auf einem Kamel!), steigt ab und läuft dem Bruder entgegen. Und herzt ihn, Und fällt ihm um den Hals. Und küsst ihn. Welche Verwandlung! Welch unverhoffter Großmut! Woher Esau diese Kraft zur Versöhnung genommen hat, es wird nicht erklärt. „Und sie weinten“, heißt es. Weinen, schreien, toben, das tat Esau auch unter der Last seiner Kränkungen. Und weinen vor Angst, ob das nicht auch manchmal den Jakob angefallen hat? Dies aber ist ein anderes Weinen. Wo einer am Hals des anderen weint, da löst sich, was zwischen ihnen stand, das Leid der zwanzig Jahre. Die Tränen der Brüder sind ist die Flut, die Ehrgeiz und Hochmut, Wut und Arroganz hinwegschwemmt. Durch die Tränen hindurch geschieht die innigste Begegnung, wo es keine Fassaden mehr gibt, nur noch das ganz und gar entwaffnete Herz. Das ist ein Weinen, in dem die Brüder in das Leid des anderen eintauchen. Jakob beweint Esau, Esau beweint Jakob. So wird diese Umarmung zu einer Befreiung für beide.
Immer noch wissen wir nicht, woher Esau die Kraft gewann, sich mit seinem Bruder zu versöhnen. Aber dies wird klar: In dieser Umarmung geschieht, was der alte Isaak ihm vor zwanzig Jahren angedeutet hatte, und was Esau damals nicht verstehen konnte, nämlich dass er eines Tages das Joch des Bruders von seinen Schultern reißen werde. Hier geschieht es; denn erst hier wird er frei. Erst hier löst sich die Last der Kränkungen. Darum kann er auch sagen: Ich brauche deine Geschenke nicht, mein Bruder. Ich habe genug, und ich bin zufrieden mit dem Leben, das mir zugefallen ist. Vielleicht ist dies der entscheidende Punkt: Seinen Frieden machen mit dem Leben, wie es einem zugefallen ist. Darum kann Esau sagen: Ja, du bist Israel. Ich aber bin Edom. So ist es gut. Wir können Nachbarn sein.
Was uns an dieser Geschichte fesselt, ist keineswegs ein historisches Interesse. Dieser Stoff aus Urväter-Tagen ist mythisch und darum exemplarisch, paradigmatisch. Er ist prototypisch. Anders gesagt: Diese Geschichte wird erzählt, nicht weil sie einmalig ist, sondern weil sie wiederholbar ist, nicht weil sie vor grauer Urzeit geschehen ist, sondern weil sie jeder Zeit geschehen kann. Mythen sind keine Märchen, Mythen sind Möglichkeiten. An der Heilung der Kränkungen hat der Schuldige seinen Teil. Jakob der Erfolgsmensch, Jakob der Winner, begibt sich freiwillig seiner Macht. Er demütigt sich selbst und erhebt damit den Erniedrigten. Er macht sich klein, und damit gewinnt der Bruder wieder seine eigene Statur, seine Souveränität.
Am 20. November 1977 trat der Ägypter Anwar el Sadat vor die Knesset in Jerusalem: „Wir alle“, sagte er, „Muslime, Christen und Juden, wir verneigen uns vor Gott ... Gottes Lehren und Gebote sind Botschaften der Liebe, der Aufrichtigkeit, der Sicherheit und des Friedens.“ Und er fügte hinzu: „Wir wollen nicht, dass ihr, und wir wollen nicht, dass wir eingeschlossen werden von einem Ring abschussbereiter Raketen und auch nicht von den Granaten des Zorns und des Hasses.“ Sadat ging barfuss durch Yad Vashem. Er überwand die tiefe Kränkungsgeschichte der arabischen Welt, weil er über die Grenzen der Religionen hinausging, besser: weil er dem Judentum, dem Christentum und dem Islam auf den Grund ging, und dieser Grund ist Gottes Liebe, in ihm ist Sicherheit und Friede. Was immer man sonst von Sadat halten mag, an diesem Punkt bleibt er beispielhaft. Und wenn, nach diesem unseligen Krieg, Sicherheit und Friede im Mittleren Osten einkehren sollen, dann wird es auf Seiten der USA und Großbritannien so etwas wie die Unterwerfungsgesten Jakobs geben müssen, und auf der anderen Seite so etwas wie den Großmut Esaus. Solches zu erhoffen, scheint grotesk.
Ich habe eingangs gesagt, dass wir nicht nur von Gott Vergebung erbitten sollten, sondern dass dazu auch der Mitmensch gehört, der unsere Sünde erleiden muss. Jakob sagt zu seinem Bruder: „Ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht.“ In dem Gesicht des Übertölpelten erscheint ihm das Gesicht des Barmherzigen, in der Umarmung des Gefürchteten die Nähe des Gottes, der die Liebe ist. Woher nimmt Esau die Kraft zur Versöhnung? Wie gelingt es ihm, sich von der Umklammerung seiner Kränkungen zu befreien? Die Geschichte hält keine Antwort bereit, die andere Gekränkte einfach imitieren könnten. Es ist wohl etwas, das in den Raum der Verschwiegenheit und des Geheimnisses gehört und dass sich bei jedem von uns anders darstellt. Wichtig ist die Erkenntnis: Versöhnung ist eine Gotteskraft, die allen Menschen ins Herz gelegt worden ist. (Freilich findet sich in unserem Herzen noch so vieles anderes, das uns daran hindert, an diese Gotteskraft heranzukommen.) Aber es gibt, was viele Menschen für undenkbar halten, es gibt die Vergebung der Sünden und die Heilung unserer Kränkungen. Gott sei Dank. Das glaube ich.
Fürbitten
Friedlos sind wir, auch wenn wir an diesem Krieg gegen den Irak nicht beteiligt sind.
An anderen, weniger spektakulären, sind wir es durchaus.
Herr Gott, wir leiden an unserer Gefangenschaft, wir beklagen die Vernichtung von Menschenleben, die Zerstörungen im dem Land zwischen Euphrat und Tigris.
Wir fürchten uns vor den Landminen der Vergeltung, den Streubomben des Hasses, dem Giftgas der Lüge.
Gib uns die Kraft, gegen das Unrecht aufzustehen.
Bewahre uns vor der Anpassung an das vermeintliche Recht der stärkeren Bataillone.
Gib Frieden, Herr, wir bitten, die Welt nimmt schlimmen Lauf!
Die Erde wartet sehr, Herr und Schöpfer der Welt, sie wartet auf ein Ende von Raubbau und Missbrauch, sie wartet auf Bewahrung und Pflege.
Es wird so viel gelitten, nicht nur in der Welt der Menschen, auch Pflanzen und Tiere darben und verenden.
Gib uns die Kraft, die Not zu sehen, die bis an die Horizonte unseres Lebens reicht und der Gewöhnung an kurzlebigen Eigennutz zu widerstehen.
Gib Frieden, Herr, wir bitten, die Erde wartet sehr!
Der du noch am Kreuz für deine Feinde gebeten hast, Gottessohn, Menschenskind, mache uns frei von den starrsinnigen Verfeindungen und den misstrauischen Verdächtigungen, in die wir uns verfangen haben.
Lass uns über die Grenzen unserer Konfessionen und Kirchen hinausdenken, hilf uns dazu, dass wir dich in den Fremden erkennen und dass wir endlich einsehen, dass unser Glück mit der Lebensfreude unserer vermeintlichen Feinde verknüpft ist.
Gib Frieden, Herr, wir bitten, du selbst bist, was uns fehlt.
Der du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist, mach uns zu Anwälten der Wahrheit, auch wo sie für uns selbst schmerzlich ist.
Gib uns ein mutiges Herz, ein Herz, das sich immer wieder von Trotz und Verdruss und Verzweiflung befreien kann.
Gib uns Hände, die sich für die Anderen öffnen, gib uns Füße, die ungewohnte Wege beschreiten, gib uns den Geist, der neue Wege findet.
Herr, mach aus uns ein Zeichen, dafür, dass Friede siegt.