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Das Projekt »SAKRAMENTE« 2003/ 04 von: Christian Gallasch
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Das Projekt »SAKRAMENTE« 2003/ 04



Eine Fortsetzung haben Sie vor sich, liebe Leserin, lieber Leser: 
Was als „CREDO-Projekt“ begann, wandert nun weiter durch die Wüsten der Zeit - das Volk Gottes unterwegs, unsere kleine Johannes-Karawane nomadisiert durch Texte und Orte, ein unaufhörlicher geistlicher Diskurs mit nur einem Anliegen: Wo ist die Spur Gottes, auf die wir ständig verwiesen werden? Wie können wir uns öffnen, achtsam und bereit sein - wie jene klugen Lampen-Mädchen mit dem Reserve-Öl (Mt 25,1-13) ?

Die Zugänge sind letztlich beliebig: Das eine große und dunkle Geheimnis von der unmessbaren und ungeschuldeten göttlichen Liebe ist nur dem Mystiker unmittelbar zugänglich (so jedenfalls ein gängiges Klischee), der „normale Suchende“ kann das Subjekt seines Begehrens nur umkreisen, umspielen, mittelbar anrufen, besingen. 
Die Liturgie der Stadtgemeinde versucht in gewisser Weise, diese Blickrichtung umzukehren: Gott ist es, der uns umwirbt, uns einlädt, uns angenommen hat vor aller Zeit. Er hat die wichtigste Arbeit längst getan. Unser Zutun ist ein vergleichsweise kleines: Zuhören, Zulassen, Danken. Aber wir sind spröde Geliebte, wir zieren uns gern lang und umständlich und zweifeln an der Ernsthaftigkeit des Antrags. Ganz unnötigerweise, wie Tausende von Bibelseiten wieder und wieder schreiben ...

Das CREDO-Projekt hatte biblische und theologische Reflexion an einem systematisch-dogmatischen Text, dem „Glaubensbekenntnis“ aufgehängt. Das Projekt »SAKRAMENTE« geht noch einen Schritt weiter: „Sakramente“ im kirchenrechtlichen Sinn sind nachbiblisch, historisch relativ spät konstituiert und schwerlich direkt und plausibel aus den Hl.Schriften zu begründen. Und dennoch haben sie zwei Jahrtausende das geistliche Leben der christlichen Gemeinden geprägt. Welchen begründbaren Sitz haben sie heute im kirchlichen Leben? Müssen wir sie ins Zentrum des Lebens setzen? Oder können wir sie „kontextualisieren“, etwa als besondere Hervorhebung innerhalb eines von Sakramentalien geprägten christlichen Gemeinde-Lebens?
Unser Verhältnis zu den Sakramenten hat sich im letzten halben Jahrhundert massiv verändert: Die Säuglings-Taufe wurde hinterfragt, die Ohrenbeichte geriet ins Abseits (nicht zuletzt, weil dank S.Freud die Unterscheidung von Schuld und Schuldgefühlen nötig wurde), die „ewige“ Ehe scheiterte zunehmend an der hohen Scheidungsrate, Priestermangel und Zölibat-Debatte reduzierten die Priesterweihe bisweilen auf ein betriebswirtschaftliches Problem der Kirchen. 
Kein Wunder also, dass das Echo unserer Theologen bei diesem Projekt etwas zurückhaltender ausfiel als beim CREDO-Projekt. So ist die Reihe der Predigten - wieder mal - nicht vollständig. Bis auf einen Fall, als schlicht die Aufnahmetechnik versagte (ein katholisches Problem?), sind die Lücken ausdrücklich gewünscht und vereinbart worden - es gilt, wie es schon beim CREDO-Projekt fomuliert war. Daher hier noch einmal die wichtigsten Momente in - modifizierter - Wiederholung:

1. Es gilt das gesprochene Wort - dieser Grundsatz hat im liturgischen Kontext ein noch sehr viel größeres Gewicht als anderswo. Gottesdienst ist stets Kerygma, Verkündigung, Weitersagen des Wortes Gottes in der Gemeinschaft der um den Tisch des Herrn Versammelten und von dort aus weiter in die Welt. Predigt ist in diesem Kontext eben dann nicht akademischer theologischer Diskurs, sondern Ansprechen, Auffordern, Bewegen, sich-bewegen-Lassen: Öffnung für das Geschehen der Gnade. Dieser Kontext des gemeinsamen Dankens, Betens und Singens geht bei der schriftlichen Fassung der Predigt fast unweigerlich verloren.
So ist der vorliegende Abdruck der Predigten auch nicht für eine allgemeine Veröffentlichung vorgesehen, sondern in erster Linie für die Teilnehmer der Gottesdienste: als Möglichkeit, das Gehörte - und es war manchmal schon eine ziemlich dichte Menge, die zu hören war! - noch einmal gedanklich nach-zu-lesen, zu entwirren, zu vertiefen. 
In zweiter Linie diene diese Textsammlung jenen, die nicht bei allen Gottesdiensten dabei sein konnten und gern dem theologischen Zusammenhang der Sakramente nachgehen wollen. 
Schließlich sollen auch entferntere Freunde und Gönner der Stadtgemeinde, die nie oder selten Gelegenheit haben, an den Gottesdiensten teilzunehmen, auf diese Weise ein kleines Echo auf ihre innere Verbundenheit erhalten.

2. Das Inhaltsverzeichnis zeigt auf den ersten Blick, dass die SAKRAMENTE sich in den Predigttexten nicht vollständig abbilden. Das hat verschiedene Gründe. So gab es Theologen, die aus grundsätzlichen oder praktischen, stets aber sehr respektablen Erwägungen nicht wollten, dass ihre Predigt schriftlich fixiert würde. 
Zur Priesterweihe etwa mochte keiner sich äußern. Man mag in dieser Zurückhaltung auch ein Echo erkennen auf das katholisch-evangelische Schisma hinsichtlich der apostolischen Sukzession, die ja bis in die (verweigerte) Gastfreundschaft beim eucharistischen Mahl hineinragt. Auch unsere Laien trauten sich nicht an dieses Thema: Parteilichkeit auf der Kanzel ist stets anrüchig, nicht ganz zu Unrecht.
Wir haben versucht, diese Lücken ein wenig zu kompensieren: Der Ablauf des jeweiligen Gottesdienstes ist hier nun verkürzt wiedergegeben als „Drehbuch“, ergänzt durch Lesungstexte und/oder Fürbitten: So kann man ein wenig im Umfeld „schnuppern“, den die Liturgie textlich vorgab.
Gleichwohl bleibt diese Textsammlung konsequent fragmentarisch. Und das ist gut so, denn sonst könnte der Eindruck entstehen, man wolle und könne mit einem Dutzend Predigten den gesamten Glauben der Gemeinschaft der Heiligen erschöpfend abbilden. Das aber geht nur entweder mit einem einzigen Wort1 oder aber im unendlichen Strom der Worte, wie sie (Sonn-)Tag für (Sonn-)Tag von allen Glaubenden gemeinsam gesprochen werden.

3. Die Prediger hatten bei der Planung die freie Wahl der Themen und Sakramente. So kam es, dass die einzelnen Sakramente weder in der „Katechismus-Originalreihenfolge“ noch im Kontext des Kirchenjahres zur Sprache kamen. In der vorliegenden Sammlung ist die klassische Abfolge der Sakramente hergestellt.

4. Die Redaktion der Texte beschränkt sich auf grobe Rechtschreib-Korrekturen sowie sinnhafte Interpunktion und Absatz-Bildung (bei den tontechnisch aufgezeichneten Predigten). Da diese Arbeit ausschließlich in der sehr knappen Freizeit des Redakteurs stattfand, erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar professionelle Perfektion. Ein Korrektur-Lesen durch Dritte fand nicht statt. Wir sind sicher: Die Texte sprechen auch in weniger vollkommenem Gewand ...

5. Ein Teil der Predigten lag nicht schriftlich vor, sondern wurde mit einem Kassettenrekorder aufgezeichnet, anschließend (ohne Diktaphon, sozusagen „zu Fuß“) mit der Schreibmaschine abgetippt, schließlich in den PC eingescannt, um in einheitlicher Form zur Verfügung zu sein. Diese etwas atavistische Umständlichkeit war unumgänglich, da nur auf diese Weise die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden konnte. Die bei diesem Prozedere unvermeidlichen Fehler und Missverständnisse bitten eindringlich um barmherziges Wegschauen!

6. Ein „Copyright“ gibt es nicht, im Gegenteil: Wer immer möchte, soll die Texte weitergeben, ganz gemäß Paulus: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1 Kor 9,16b)

7. Einige wenige Lesungstexte sind mit abgedruckt (insbesondere jene, die neu übersetzt wurden). Es empfiehlt sich daher, bei der Lektüre dieser Texte, eine Bibel zur Hand zu haben.

8. Für das Abtippen der akustisch aufgezeichneten Texte2 sei Dr.Manfred Weck an dieser Stelle ganz heftig gedankt: Niemand hatte sich um diesen mühseligen und undankbaren „Job“ gerissen - er tat ihn einfach!

Genau so herzlich sei allen Predigern gedankt, die sich an diesem Projekt beteiligt haben.

Besonderen Dank aber verdienen alle Gemeindemitglieder, die durch ihr Zuhören, Mitbeten und -singen diese Art des geistlichen Miteinanders überhaupt erst ermöglichen, tragen und lebendig machen!

Dass Kraft und Inspiration für all dies nicht aus uns kommen, muss wohl nicht eigens erwähnt werden: Der letzte und entscheidende Dank daher an den, auf den hin wir leben3 und der uns zu all diesem Hören und Sprechen für immer eingeladen hat.

Bremen, im Oktober 2004
Für den Liturgie-Kreis: Christian Gallasch
______________________

  1. Joh 1,1 
  2. ... im Inhaltsverzeichnis mit * gekennzeichnet.
  3. Apg 17,29
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