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Projekt SAKRAMENTE - Einführung ins Thema von: A. Keilus
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Projekt SAKRAMENTE - Einführung ins Thema (1)



Worte und Zeichen für die Glaubenden
(4 Mos 11, 25-29; Jak 5, 1-6; Mk 9, 38-41)


Liebe Schwestern und Brüder in Christus ! 

Wer die Hl. Schrift liest, das Neue Testament oder das Alte, wird das Wort Sakrament nicht finden. Es ist eine Neuschöpfung. Es war, als die Kirche den griechischen Raum verließ und in den lateinischen kam: Da musste man für das Wort mysterion(musthrion) ein lateinisches Wort finden. Mysterion - Geheimnis im Deutschen - ist umfassender als das lateinische Wort sacramentum. Unter mysterion verstehen wir das gesamte Heilshandeln Gottes für uns Menschen und an uns Menschen. Nicht ohne Grund sagen wir, im Zentrum der Eucharistiefeier, „mysterium fidei“ - Geheimnis des Glaubens und meinen - mitten im Canon - das gesamte Heilshandeln Gottes: nicht nur den Abendmahlsbericht, sondern das ganze Geschehen des Glaubens, das vom Schöpfungsmorgen bis zum letzten Tag Gottes reicht. Mysterium fidei - Geheimnis des Glaubens. 

Das Wort sacramentum leitet sich vom lateinischen sacer her: sacer heißt heilig. Als Tertullian, der die lateinische Sprache „geschaffen“ hat, um Latein für die Theologie zu öffnen, sich überlegte, wie man mysterion ins Lateinische übertragen kann, nahm er aus seiner Umwelt ein Handeln, was jeder erlebte: Leute die zum Militär eingezogen wurden oder sich dafür als Söldner meldeten, die sich also unter die Waffen der Römer stellten: die fingen ihren Kriegsdienst damit an, dass sie ein sacramentum ablegten, einen feierlichen Fahneneid, einen feierlichen Eid auf den römischen Staat. Und das geschah nach dem Selbstverständnis der Menschen von damals im Angesicht der Götter Roms. Es gab also eine heilige Verpflichtung, dem Vaterland zu dienen, und die, die sich dafür zur Verfügung stellten, schworen vor Gott und dem Kaiser, seiner Majestät, dass sie das in Treue tun wollten. Von dort her nahm Tertullian das Wort sacramentum, weil ihm die Idee einkam, dass der Christ, wenn er seinen christlichen Weg beginnt, indem er sich taufen lässt, sich hineinversenken lässt in das Geheimnis Jesu Christi; und dass er im Angesicht der Gemeinde und vor dem gegenwärtigen Herrn feierlich damit ausdrückt: Mein Weg ist der Weg Jesu Christi. 
Von diesem Zusammenhang her schien ihm es einleuchtend zu sein, ein lateinisches Wort zu wählen: sacramentum für mysterion. Wir wissen heute nach Sprachstudien, dass er damit eine Verengung des Begriffs Geheimnis vollzogen hat.

Wenn wir ein wenig darüber nachdenken, was man denn in der Kirche unter Sakrament heut versteht, können wir zunächst einmal - plakativ, allgemein - sagen: Sakramente sind zentrale Feiern der Kirche. Die Kirche drückt in ihren Sakramenten das aus, woraus sie lebt und was ihre Lebensmitte ist. Und das tut sie nicht nur durch eine feierliche Deklaration, sondern indem sie das feiert - zu einem Sakrament gehört immer die Feier. 

Und die Elemente Symbol, Wort und Spiel gehören im Sakrament zusammen. 

Als erstes: Symbol 
Wir leben heute in einer Zeit, da wir das Symbol als Ausdruck gesamtmenschlichen Handelns neu entdecken. Ich erinnere daran, dass heute, wenn etwa ein tragischer Tod eintritt, die Menschen Blumen an die Stelle legen, wo jemand ermordet wurde, wo Hoffnung begraben wurde, Kerzen werden entzündet. Das ist heute allgemein verständlich, dass der Mensch den Wunsch hat, nicht nur „herzliches Beileid“ zu sagen, sondern er möchte ganzheitlich anzeigen, dass das ihn schwer berührt, was da an Tragischem geschehen ist. 
Und wir alle haben es ja erlebt, als die Wende eintrat in unserem Land: Da haben die Menschen, ohne dass sie darüber diskutiert haben, gegen die Gewalt des Staates ein Teelicht gesetzt. Zu Tausenden haben sie das getan. Sie haben durch dieses Symbol signalisiert: „Den Weg der Waffen beschreiten wir nicht, Panzern setzen wir Teelichte entgegen“. Alle haben das verstanden, es ist in keiner Weise diskutiert worden: Was meinen die eigentlich damit? 

0b christlich oder nicht: Der Mensch sucht Zeichen. Er gibt sich nicht damit zufrieden, dem anderen sein Wohlwollen nur im Wort auszudrücken. Es ist also eine allgemeine Erfahrung, die wir heute machen, sogar bei Kirchen, die Symbole ablehnen; so z.B. die Reformierten: Sie haben einmal abgelehnt, Symbole in ihrem Gottesdienst zu gebrauchen; heute diskutieren sie, tun sich oft schwer, aber sie können auch nicht verhindern, dass die Leute sagen: Warum sollen wir nicht eine Kerze beim Gottesdienst anzünden? Warum soll der Pastor beim Segnen nicht ein Kreuz machen? Oder die Hand ausbreiten? Manche verstehen es nicht mehr, dass es gut wäre, auf jedes Symbol zu verzichten. Wir entdecken, dass der Mensch geradezu gehemmt ist, wenn er keine Symbole setzen kann. Dass er dann krank ist. 
Es gehört zu psychotherapeutischen Hilfestellungen, dass man dem Menschen hilft, dass er sich körperlich äußern lernt. 
Also: Symbol ist heute nicht mehr in Frage gestellt.

Wenn der Mensch dem anderen zeigen will, dass er es gut mit ihm meint, muss er einen Schritt auf ihn zugehen. Tut er das nicht, so signalisiert er: Mit mir kein Gespräch! Wenn er aber einen Schritt (auf ihn) zugeht, überlegt er sich: Wie kann ich noch weiter gehen? Und er gibt die Hand. Verweigere ich die Hand, so weiß der andere: Mehr darf ich nicht mit ihm ins Gespräch kommen. Ist die Zuneigung noch größer, umarme ich ihn, ja ich küsse ihn und zeige damit, wie mein Verhältnis zu ihm zu deuten ist.
Das Gegenteil kann ich natürlich auch tun: Ich bleibe stehen, gehe einen Schritt zurück, drehe mich um und tue so, als ob ich den anderen gar nicht sehe. Dann weiß der andere: Der liebt mich nicht, er mag mich nicht; ich muss viel tun, dass sich vielleicht etwas ändert in seiner Haltung.
Menschen haben sogar apersonale Dinge entdeckt als Zeich für ihre Zuwendungen: Geschenke machen wir, und jeder von uns weiß: Ist ein Geschenk lieblos verpackt, dann deuten wir das als Unanständigkeit oder auch als Beleidigung. Oder wenn wir Blumen schenken oder einen Ring, oder wenn wir sagen: Ich lade dich zum Essen ein - dann sind das alles Zeichen, symbolische Handlungen, die ein Mensch in unseren Kulturbreiten versteht als Zeichen des Wohlwollens.
Es reicht also nicht, dem anderen nur zu sagen: Ich hab dich gern. Der ganze Mensch ist engagiert in der Bewegung auf den anderen hin.
Und wenn ich nun eine solche Bewegung mache, dann signalisiere ich nicht nur, dass ich es gut meine, sondern indem ich das tue, realisiere ich bereits ein Zeichen. Das ist Wort-unterstreichend, ja manchmal fällt es uns Menschen leichter, Symbole des Handelns zu setzen als ein Wort zu sagen. Denn uns Menschen fehlen oft die Worte: In der Trauer beispielsweise, in einer Katastrophe - da wissen wir nicht, was wir sagen sollen. Aber jemanden in den Arm nehmen, das fällt uns leichter. Das andere kommt uns alles banal vor, wir haben Angst, das falsche Wort zu wählen.

Also, von diesen Gedanken her können wir sagen: Ein Sakrament ist in der Kirche ein Signal, dass Gott auf uns zukommt. Und zugleich zeigt es an: Er ist mitten unter uns. So wie wir das Symbol setzen. Und wir sind eingeladen, dem entgegen kommenden Gott unsere menschliche Antwort zu geben. Also: Jedes Sakrament wird in ein Symbol gekleidet, weil das dem Menschen eigen ist. Die Sprache des Symbols spricht den Menschen unmittelbar an.


Zweitens: Wort 
Nun kommt das Wort dazu, ein Wort, das Wirklichkeit schafft; z.B. wenn jemand zum Bußsakrament geht, werden Zeichen der Handauflegung gesetzt, aber es wird mit dem Wort der Zuspruch gegeben: „Gott verzeiht dir“. Das deutende Wort gehört also zu der Geste, zu dem Symbol, damit es unmissverständlich als Zuwendung Gottes, des erbarmenden Gottes verstanden wird. 
Oder wenn wir in dieser Eucharistiefeier den Abendmahlsbericht vortragen, dann ist das deutendes Wort für Brot und Wein, die wir auf den Altar gelegt haben; denn es ist ja nicht eindeutig, wofür wir Brot und Wein brauchen. Es ist also notwendig, dass das, was auf dem Altar liegt, auch als Symbol für den erkannt wird, der uns Brot und Wein sein möchte. 
Wenn in der Taufe jemand in die Kirche aufgenommen wird, dann wird ihm das Wort zugesagt, dass er hineingetaucht ist in das Geheimnis des dreifaltigen Gottes, und dieses Wort ist von Gottes Seite her nicht mehr zu widerrufen. Man sagt „character indelibilis" unzerstörbar steht Gott zu dem Wort, das in dem Sakrament mit dem Symbol des Wassers als Zeichen der reinigenden Kraft Gottes, der lebensspendenden Kraft Gottes gegeben wird. 
Und das selbe gilt in der Ordination, wenn jemand sich bereit erklärt, in der Kirche den priesterlichen Dienst wahrzunehmen. Dann sagt Gott in dem Weihevorgang JA zu dem Kandidaten und der sagt dann sein „hier bin ich“ dazu. 

Das Wort, das Wirklichkeit schafft, das nun in eine ganz bestimmte Denk- und Lebensweise führt, hat bindende Kraft. Man kann also sagen: In den Sakramenten engagiert sich die Kirche und sagt im Namen Gottes: „Es ist verlässich und verbindlich, was Gott in dieser Feierstunde verkünden lässt“. 

Drittens: Verwandelndes Spiel
Und das Ganze tun wir in einem verwandelnden Spiel. Liturgie ist Spielen vor Gott. In der Feier der Sakramente werden Symbol und Wort in einen Handlungszusammenhang gebracht, in eine gewisse Dramatik. Die Teilnehmer sind alle eingeladen mitzuspielen. Darum gelingt eine sakramentale Feier nur, wenn auch alle die Regeln kennen und sich darauf einlassen. Wenn es nicht chaotisch zugeht, sondern wenn man sich innerlich sicher ist, wie Eucharistie gefeiert wird. Und man merkt das sehr deutlich als Gemeindemitglied und der Vorsteher, der Priester merkt es ganz deutlich, wenn er vor einem Kreis von Menschen steht, die das Spiel nicht spielen können, die liturgie-ungewohnt sind, die da nur links und rechts gucken - „wie machen das die anderen?“ - und eine allgemeine Unsicherheit verbreitet sich, weil man eigentlich unvorbereitet sich auf ein Spiel einlässt. 
Was würde man wohl über Schauspieler sagen, die auf die Bühne treten und nicht vorher geübt haben, was sie eigentlich vortragen sollen? Und das Zueinander nicht eingeübt haben? Dann würde ein Proteststurm losbrechen, die Leute würden in Scharen das Theater verlassen und das Geld zurückfordern, das sie bezahlt haben. 
Also, es gehört ein verwandelndes Spiel dazu und dieses Spiel ist nicht nebensächlich. Weil der Mensch eine Ganzheit ist, ist Stehen, Sitzen, Gehen, sich-Verneigen Ausdruck dessen, dass er den ganzen Körper und Geist in das Geschehen hineinholt: Ich bin ganz beteiligt. Das ist ja das, was das Konzil meinte mit der participatio actuosa, mit der den ganzen menschen, die ganze Gemeinde ernst nehmenden Teilnahme im Gottesdienst ausdrücken wollte. 
Wir sind also in diesem Gottesdienst nicht Zuschauer. Das gibt es ja auch. Es gibt Menschen, die kommen in das Gotteshaus, wo Liturgie gefeiert wird, ein Sakrament, und setzen sich hin wie im Theater und fassen den Altarraum als Bühne auf: Mal sehen, was die uns vorzuführen haben. Das ist ein Missverständnis dessen, was wir Liturgie nennen. Denn es wird uns hier nichts vorgeführt, sondern wir sind eingeladen, wenn Gott mit uns redet und spricht, wenn er mit uns das Geheimnis beschreitet, das er selbst ist, dass wir uns dann auch einbeziehen lassen, und jeder seine Rolle übernimmt in dem Spiel, das wir Liturgie nennen. 

In dieser dreifachen Weise - Symbol / Wort / verwandelndes Spiel - feiert die Kirche das Miteinander der Gläubigen. In dieser Feier hören wir das Wort Gottes und antworten in Gebärden und Spiel; meinetwegen heute in den Halleluja-Rufen und im Gesang, der heute besonders feierlich ist, versuchen wir der Stimme eine Rolle zugeben. Oder dass wir uns bemüht haben, unsere Stimme darauf einzurichten, dass sie diesen Beitrag zum Lob Gottes geben kann. In dieser Feier konstituiert sich die Kirche als Zusammenkunft im Namen Jesu Christi, wir kommen also nicht in irgendeinem Namen zusammen: der Herr ruft uns. In dieser Gemeinschaft vergegenwärtigen wir uns, was Gott für den Menschen tut. Wir sind Erinnerungsgemeinschaft und antizipieren die Zukunft in unserer Feier: Dass wir hinausgehen aus der Feier mit dem Mut, Schritte in die Zukunft zu setzen. Wir sind also Hoffnungsgemeinschaft. Als solche hören wir Stücke aus der Hl. Schrift, wo uns verkündet wird, was der Herr, unser Gott, einsetzt für den Menschen, für sein Volk, für alle. 

Und so feiert die Kirche in der Liturgie nicht sich selbst, sondern die Geschichte Gottes mit den Menschen. Und sie verkündet die Hoffnung, die uns bewegt. Wunderbar ausgedrückt in der Formel „Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir ...“ - Sie kennen das - „... bis Du kommst in Herrlichkeit“. 

Und somit werden die Sakramente Zeichen für die erlöste Welt. Wir erfahren in den Sakramenten, wo es lang geht, welche Richtung wir zu gehen haben, um die Schöpfung zur Vollendung zu führen. Das Konzil hat in analoger Weise den Sakramenten-Begriff noch in folgender Weise verdichtet: Es nennt Christus das Ur-Sakrament. Will damit aussagen: Alle einzelnen Sakramente sind in Christus begründet und stellen Lebensvollzüge der Kirche dar. Darum ist es müßig zu fragen, ob die sieben Sakramente, so wie wir sie aufzählen, ausdrücklich von Jesus so eingesetzt worden sind. Das können wir nicht mehr nachweisen, das ist auch nicht entscheidend, sondern: Die sieben Sakramente hat die Kirche im Lauf der Zeit als Lebensvollzüge des in ihr weiterlebenden Herrn erkannt. In der Taufe den Ruf Christi, wie er damals am See Genezareth eingeladen hat - die Einladung des Herrn; in der Firmung das Kommen des Geistes, den Christus versprochen hat; in der Eucharistie die Mahlzeiten, die der Herr mit den Seinen gehalten hat, Fortsetzung der Tischgemeinschaft; im Bußsakrament Fortsetzung der verzeihenden Liebe Christi; in der Krankensalbung das Entgegenkommen des Herrn auf den kranken Menschen; und in der Ehe, dass neues Leben werde, damit Gottes Volk wachse in die Zeit hinein; und das Priestertum, damit in der Kirche die Vorsteher darauf achten, dass die Sakramente weiter gefeiert werden.

So können wir zusammenfassen und sagen: 
Sakramente sind an der Verkündigung Jesu orientierte Feiern der kirchlichen Gemeinschaft. In ihnen wird die Zuwendung Gottes, die eine rettende und verwandelnde ist, leibhaftig in den Symbolen und Worten dargestellt. Das Ganze geschieht in einem kommunikativen, liturgischen Spiel in Worten und Gebärden, die nachvollziehen, was wir glaubend empfangen haben. 

Amen.

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