Projekt SAKRAMENTE - DIE FIRMUNG
Unser Leben im Heiligen Geist - ein Abenteuer bis zum letzten Tag!
(Apg 5, 27b - 32; Offb 5, 11 - 14; Joh 21, 15 - 19)
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Wer die Apostelgeschichte durchliest, findet von der ersten bis zur letzten Seite einen Grundakkord, nämlich den, dass die Gemeinde, die sich in diesem Buch beschreibt, sich nur verstehen kann als vom Hl. Geist geführt und geleitet. Immer wieder wird betont, dess der Geist ihnen hilft, eine neue Weise des Lebens zu finden. So hatte sich am Ende des Lukas-Evangeliums Jesus verabschiedet und gesagt „Geht nach Jerusalem!“ und „Erwartet betend den Hl. Geist!“. Und wer das Johannes-Evangelium liest, besonders die sogenannten Abschieds-Reden, findet dort viele Hinweise auf den Hl.Geist. Der Herr sagt sogar:„Es ist gut für euch, dass ich weg gehe. Denn wenn ich gehe, kommt der Tröster: der Heilige Geist. Er wird euch in alle Wahrheit einführen.“
So weist also Jesus dem Hl.Geist eine große Aufgabe zu. Er sagt ausdrücklich: „Er wird von dem Meinen nehmen und es euch verkünden.“(Joh 16,15) Er wird euch langsam in alle Wahrheit einführen. Jetzt könnt ihr noch nicht alles verstehen. Aber nach und nach wird der Geist Gottes euch helfen zu verstehen, wer Christus ist; was Gott mit seiner Gemeinde vorhat.
Wenn wir vom Sakrament der Firmung sprechen, müssen wir zunächst einmal sagen: Die Geist-Sendung ist in der Hl.Schrift immer mit der Taufe verbunden. In der Apostelgeschichte gibt es Getaufte, die auf die Frage „Seid ihr getauft?“ antworten: „Ja, wir sind mit der Taufe des Johannes getauft.“ Johannes aber sagte: Nach mir wird einer kommen, der ist größer als ich. Ich taufe nur mit Wasser; der nach mir kommt, wird taufen mit Wasser und Hl.Geist. Also: die Taufe Jesu, wie sie in der Kirche gespendet wird, ist eine Geist-Taufe - das ist geradezu ihr Signum, ihr Zeichen.
Wenn ein erwachsener Mensch sich zu Christus bekehrt und die Taufe empfangen möchte, ist es ganz selbstverständlich, dass mit der Taufe die Geist-Sendung verbunden ist - Firmung heißt ja 'die Stärkung im Hl. Geist'. Und er geht zur Hl.Kommunion, damit der weiter lebende Christus ihm Kraftquelle sei für sein Glaubensleben. Seit man Kinder tauft, hat man nach und nach diese Sakramente auseinandergezogen.
In der Ostkirche, der Orthodoxen Kirche, hat man das nie getan. Wer mal bei einer orthodoxen Kindertaufe dabei ist (wir haben es sehr eindrücklich mal in Syrien erlebt), der sieht, wie dieses Kind mit dem Heiligen Chrisam gesalbt wird, nach der Taufe, und wie es mit einem Tropfen des Blutes Christi gestärkt wird. Man hat also niemals diese Dreiheit der Sakramente auseinander gezogen.
In der West-Kirche hat man es getan. Ob das segensreich ist, ist eine Frage. Es entsteht nämlich die Vorstellung - so habe ich es als Kind empfunden, vielleicht auch manch einer von Ihnen - , dass man meinte, in der Firmung kommt zum ersten Mal der Hl.Geist in unser Leben hinein. Was natürlich nicht stimmt. Denn die Taufe, die auch bei uns gespendet wird, hat immer schon das Zeichen der Chrisam-Salbung: Ein „Angeld“ hin auf die Firmung wird sozusagen bereits schon mit der Taufe verbunden; es heißt ja „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes“. Die Taufe ist also nicht ein sozusagen „amputiertes“, vom Hl.Geist getrenntes Sakrament. Ja, es ist überhaupt eine falsche Vorstellung zu meinen, der hl. Geist lebe nur an ganz bestimmten Stellen dieser Erde, alles andere sei Geist-los. Nein, am Pfingsttag sagen wir: „Der Geist des Herrn erfüllt das Weltall!“ Wir sagen also: Der Geist Gottes ist überall, so wie Gott überall ist. Der Geist trägt die Allgegenwart Gottes in alle Welt. Auch die, die Gott nicht erkennen, sind nicht „Geist-los“.
Der Geist begleitet jeden Menschen. Auch den, der nicht von ihm weiß und niemals von ihm gehört hat. Das sagt doch heute die erste Lesung ganz eindeutig, wie wir gehört haben: Zeugen dieser Ereignisse - nämlich der Auferstehung Jesu Christi - sind wir, die Kirche und der Hl.Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.
Damit ist eine ungeheure Weite angesagt. Also die ein Ohr haben, wir würden heute sagen „für Spiritualität“ (da steckt ja das Wort Geist drin, Spiritus ist der Geist) - also, es gibt heute eine große Sehnsucht unter Menschen, auch wenn sie gar keine Christen sind, oder sie sind inzwischen säkularisierte Christen, sie haben nur noch einen Schatten von Ahnung was christlicher Glaube ist. Aber es gibt in Vielen die im Menschen nicht ausrottbare Sehnsucht, die Tiefe der eigenen Existenz auszuloten. Und wir sagen in unserer Sprache „der Geist Gottes wirkt alles in allem“; er ist es, der die Herzen der Menschen berührt, sie leitet und führt; und dass trotz allem Bösen, was in der Welt geschieht, so viel Gutes auch getan wird, ist nach unserer Überzeugung dank der weiter wirkenden Kraft des Geistes Gottes, der wirkt, wo er will, und nicht, wo wir es zulassen.
Der Hl.Geist ist durch das Sakrament der Firmung nun besonders mit diesem Zeichen verbunden, wo in der Kirche bis zum heutigen Tage der Streit geht: Wann ist das eigentlich richtig, die Firmung zu spenden? Wir selbst, die Älteren, haben das Sakrament vielleicht mit zehn Jahren empfangen. Heute ist es üblich, es mit 15, 16, 17, 18 Jahren zu empfangen. Wann ist die günstige Zeit für den Hl.Geist? Das ist sehr strittig. Es gibt Bischöfe, die der Auffassung sind, wir sollten möglichst nahe bei der Taufe bleiben. Und wollen die Reihenfolge einhalten: Taufe - Firmung - Kommunion. Und darum sagen sie, mit sieben Jahren sei das richtige Alter. Andere sagen: Dem Geist Gottes ist es eigen (so wie die Apostelgeschichte es schildert), dass die mutlose Kirche den Mut gewinnt, Christus zu verkünden und Christus zu leben. Und darum in einem Alter, wo man in unseren Breiten sagt, man wächst in die Mündigkeit hinein.
Es gibt Phasen im menschlichen Leben, die sich besonders auszeichenen durch die Erfahrung „Ich habe nach und nach die Verantwortung auch für mein Leben zu übernehmen“. Und da man bei der Taufe nicht gefragt werden kann (konnte): „Willst du dich taufen lassen?“, sollte man dem als Kind Getauften die Möglichkeit geben, es doch in einem Alter zu tun, wo es doch zumindest anfanghaft sagen kann: „Ich möchte einen Glaubensweg gehen“. Darum das spätere Alter . Aber wie gesagt, es gibt für alles theologische Begründungen und es wird wohl niemals die Lösung geben, die schlechthin Alles umfasst.
Richtig ist natürlich: Je mehr wir hineinwachsen in eine Zeit, wo erst Erwachsene, die eine ganz andere Lebensgeschichte gehabt haben, Christus kennenlernen, ihn lieben lernen und sich taufen lassen: Da ist dieses Problem dann nicht mehr, wie ich es schon gesagt habe.
Die Firmung hat zwei Zeichen, die andeuten wollen, dass wir die Kraft des Hl.Geistes als stützende, begleitende, tragende erfahren: Die Handauflegung ist bei vielen Sakramenten, so auch bei der Firmung, das Zeichen „Du gehst nicht allein; du gehst an der Hand Gottes; Gott legt seine Hand über dich; das ist wichtig für dein Leben“. Und das Zeichen der Salbung mit dem Heiligen Öl zeichnet die Würde aus, die wir gewinnen als Christen, nämlich dass wir die priesterlich-königliche Aufgabe hoben, die Welt zu verwandeln im Geiste Jesu Christi.
So zeigt auch die heutige Lesung, dass die Apostel nach ihrer mutlosen Phase nun plötzlich die Kraft gewinnen, von Christus zu sprechen. Und dass sie dafür sogar ins Gefängnis gehen, und den sie Befragenden sagen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das ist in einer Zeit gesprochen, als Kaiser Domitian anfing, die erste Christenverfolgung auszulösen. Die ersten Christen hatten sich immer neu die Frage zu stellen: Wen erkenne ich als Herrn über mein Leben an? Und sie entschieden sich (nicht alle natürlich, aber die, die die Kraft im Hl.Geist gewannen), Märtyrer zu werden, Zeugen Jesu Christi, und es heißt hier von den Aposteln: „Sie freuten sich, dass sie gewürdigt wurden, für Jesu Namen Schmach zu erleiden“.
Also, es wird auch das Leiden des Menschen integriert in die Geist-Bewegung. So wie Christuds das Leiden in seinem Leben akzeptiert und angenommen hat, so sehen jetzt auch die Christen im Hl.Geist die Leiden dieser Zeit anders als ohne den Hl.Geist. Das Buch der Offenbarung, aus dem wir heute einen kleinen Abschnitt gelesen haben, ist in der Zeit der Verfolgung entstanden. Der Hl.Geist - wir schauen ja auf zwei Jahrtausende christlicher Geschichte zurück - hat immer den Menschen geholfen, neue Christus-Bilder zu finden. Das erste, was in diesem Buch entstanden ist, ist der Pantokrator. In den Basiliken finden wir in den Apsiden den Pantokrator. Gegenüber dem allmächtigen römischen Kaiser zeichnet der Hl.Geist der Gemeinde Christus als den wahren König der Welt. Der Hl.Geist hilft der ersten Gemeinde, diesem Christus Vertrauen entgegen zu bringen, und wir sind bis zum heutigen Tage immer beeindruckt, wenn man in Ravenna oder auf Sizilien die großen alten Mosaiken betrachtet, wo Christus als der Pantokrator gezeichnet wird. Die Menschen feiern sozusagen Gottesdienst im Angesicht dieses Herrn und Meisters, der größer ist als alle Herren dieser Erde. Das Bild von Jesus Christus ändert sich je nach der Atmosphäre, in der wir leben.
Wir haben Zeiten erlebt, wo man dem Königtum Jesu Christi nicht mehr solche Sympathie abgewinnen kann. Wir leben in einer Zeit, wo der Hl.Geist uns deutlich macht, dass der Christus, den wir lieben, der ist, der den Seinen die Füße wäscht. Und der da sagt „Ich, euer Herr und Meister, tue das, damit ihr ein Gleiches tut“. Die ganze Kunstgeschichte könnrte man einflechten als Geist-Geschichte. Der Geist nimmt vom Geiste Jesu Christi und lässt uns ihn immer neu entdecken.
Das Evangelium zeichnet uns ihn heute als den, der nach unserer Liebe fragt. Das ist die Frage, die durch alle Zeiten der Geist des Herrn lebendig hält: Liebst du Jesus Christus? Heute klagen viele - und wir können es mit Händen greifen: Neulich hat mir - und ich muss sagen, ich war einigermaßen erschüttert - eine Lehrerin, die in einer niedersächsischen Schule katholischen Religionsunterricht gitbt, Folgendes erzählt: Sie hat dort Kolleginnen aus der evangelischen Kirche, die evangelischen Unterricht geben; jetzt ist Ostern gewesen, sie treffen sich in der Schule, und in der Pause wird diese Lehrerin von ihren evangelischen Kolleginnen gefragt: Du sag mal, du bist doch so gebildet, was sagt man denn eigentlich, was haben wir denn zu Ostern gefeiert? Da geben also Leute Religionsunterricht und wissen nicht einmal, was Ostern ist. Tja, das hat mich also schwer durcheinander gebracht, muss ich sagen. Und da hat sie den Kolleginnen das erzählt. Und da haben sie es dann aus dem Gedächtnis herausgeholt, irgendwo haben sie was von Ostern gehört ....
Aber, das sagt ja schon, sie haben gar nicht Ostern gefeiert. Sie waren wohl kaum in einem Gottesdienst. Haben dann aber nicht einmal eine Sendung empfangen zum Unterricht für den christlichen Glauben, sondern haben - so sagte diese Lehrerin mir - eine Lücke ausfüllen wollen, weil halt keiner Religionsunterricht geben wollte; da hat man gesagt: Kannst du das nicht machen? Niemand hat sie gesendet; sie wissen von nichts. Was sagen sie denn den Kindern, die da heranwachsen, von Ostern? Und die Kinder spüren natürlich, dass da nichts mehr dahinter steckt. Und man sagt allgemein - und bei jeder Quiz-Sendung kann man das ja beobachten -, wenn religiöse Fragen kommen, sei das religiöse Wissen auf Null herabgeschraubt.
Wir haben also eine Situation, wo der Hl.Geist uns anregt, neue Katechumenen in Christus zu werden. Wir müssen miteinander den Weg suchen nach dem Antlitz des Herrn mitten unter uns. Wir müssen wohl ganz neu den Glauben entdecken. Wir müssen ihn aussprechen in neuer Weise, damit man uns anspürt, dass wir mit diesem Jesus Christus leben wollen. Der Geist Gottes wird seine Kirchen nicht in Ruhe lassen und sie immer wieder fragen: Liebt ihr den, den ihr als euren Christus bezeichnet? Und dann endet das Evangelium ja, wenn ich ihn wirklich liebe, und dann die Stunde kommt, da mir die Hände gebunden werden, das heißt ja, mit anderen Worten: Wo ich nichts mehr für mich machen kann.
Der Geist Gottes, der uns den ganzen Lebensweg begleitet, er tut es auch bis in die Stunden unserere letzten Hilflosigkeit. Damit - so heißt es in der Schrift - unser Tod Gott verherrliche. „Du aber folge mir nach“ - so endet das Johannes-Evangelium. Der Hl. Geist ist die Kraft Christi unter uns, die uns befähigt, dem Herrn nachzufolgen. So ist das Firm-Sakrament sozusagen die andere Seite der Taufe. Das Firm-Sakrament ist unauflöslich mit der Taufe verbunden, denn die Taufe ist der erste Schritt, wo wir uns reinwaschen lassen von all dem, was wider Gott ist. Und die Taufe wird vollendet, indem der Geist Gottes unsere Hände greift und sagt: Nun überlass dich mir. Ich führe dich den Weg Jesu Christi durch ein ganzes Leben. Und wenn du ihm, dem Geist Gottes, Raum gibst, dann wird er nach und nach dein Denken verändern, dein Urteilen verändern.
Er wird dir geben eine Weite des Herzens, so weit wie Gott.
Amen