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Projekt SAKRAMENTE - Die Krankensalbung von: M. Wehrmeyer
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Projekt SAKRAMENTE: Die Krankensalbung



Heilung durch die Zusage Gottes
(Jak 5, 13-18; Mk 6, 6b-13)


Liebe Schwestern und Brüder in Christus! 

„Kraft unseres Amtes gestatten wir, dass Agnes Gonxha Bojaxhiu, genannt «Mutter Teresa», künftig «Selige» genannt werden darf.“ Mit diesen Worten, liebe Schwestern und Brüder, hat Papst Johannes Paul II. am vergangenen Sonntag Mutter Teresa nur 6 Jahre nach ihrem Tod selig gesprochen. Wohl kaum eine Seligsprechung hat so breite Akzeptanz gefunden wie die der Gründerin des Ordens der „Missionare der Nächstenliebe“. Schon während ihres Lebens wurden zahlreiche Biographien über sie geschrieben, haben Präsidenten und Premierminister sie verehrt, hat sie mehr Preise und Auszeichnungen erhalten als je ein Menschen zuvor, ja sie wurde schon zu Lebzeiten „Lebende Heilige“ genannt. Der Grund: Ihr unermüdlicher Einsatz für die Armen und Kranken in den Slums von Kalkutta. Sie ging auf die Straßen und hob die Sterbenskranken auf, sie ließ sich die ausgesetzten Neugeborenen und Leprakranken bringen, gab ihnen Unterkunft und Verpflegung und vor allem menschliche Zuwendung. Wohl kaum ein Mensch des vergangenen Jahrhunderts hat so selbstlos und radikal christliche Nächstenliebe und damit Nachfolge Christi gelebt wie sie, gemeinsam mit ihren Mitschwestern. 

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn wir heute im Rahmen der Predigtreihe zu den Sa- kramenten über die Krankensalbung nachdenken, dann kann ein Blick auf das Leben und Handeln Mutter Teresas ein hilfreicher Zugang sein: Vielleicht verdichtet sich nirgends so deutlich und greifbar wie in ihrem Leben, was christliche Zuwendung zu den Kranken und damit auch Krankensalbung meint. 

Wie alle Sakramente, so hat auch das Sakrament der Krankensalbung seinen Ursprung in Jesus Christus selbst, im „Ur-Sakrament Gottes“, wie es in der Sakramententheologie heißt: In ihm hat Gottes Zuwendung zu uns Menschen, sein wirkmächtig heilendes Handeln unüberbietbar Gestalt angenommen. Jesus ist das unüberbietbare Zeichen der Nähe Gottes. Im geisterfüllten Handeln des Apostel und schließlich der Kirche und jedes einzelnen ihrer Glieder zeugt es sich fort. Das Neue Testament berichtet an vielen Stellen von diesem Handeln: Immer wieder erzählt es von der heilenden Begegnung Jesu mit den Kranken. Dabei räumt Jesus zunächst mit der Vorstellung auf, dass Krankheit eine Folge von Sünde sei: Diese im Judentum seiner Zeit weit verbreitete Auffassung spiegelt sich wieder an verschiedenen Stellen in den Evangelien. So fragen die Jünger im Johannes-Evangelium angesichts eines Blinden: „Rabbi, hat er selbst gesündigt, oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?“ (Joh 9,2); und Jesus antwortet: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern Gottes Werke sollen an ihm offenbar werden.“ Krankheit ist also nach Jesu Überzeugung keine Vergeltung für menschliche Verfehlungen, sondern der unmittelbare Anlass für das Wirken Gottes, das sich in Jesus selbst als heilend und helfend erweist. So geht es bei allen Krankenheilungen um die Überwindung von Unheilssituationen, die im Namen Gottes zu bewältigen und zu überwinden sind. Und damit geht es um Zeichen der hereinbrechenden Gottesherrschaft. 

Die Jünger nun führen im Auftrag Jesu und mit seiner Bevollmächtigung das weiter, was Jesus selbst getan hat: „Dann rief Jesus seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Macht, unreine Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.“ (Mt 10,1); und er fordert sie auf: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10,7) 


Auch Lukas und Markus berichten von den Krankenheilungen der Jünger: „Die zwölf Jünger (...) wanderten von Dorf zu Dorf. Sie verkündeten das Evangelium und heilten überall die Kranken.“ (Lk 9,6) 

Ein herausragende Bedeutung aber hat im Zusammenhang von Krankenheilungen der eben gehörte Abschnitt aus dem Markus-Evangelium. Dort heißt es: „Die Jünger trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“ (Mk 6,13) - An keiner anderen Stelle in den Evangelien wird so differenziert über die Heiltätigkeit der Jünger gesprochen. In einzigartiger Weise wird hier die Praxis der Heilung beschrieben. Und so hat diese Stelle in der Tradition der Krankensalbung verständlicherweise immer eine besondere Rolle gespielt. Dennoch wird man auf der Grundlage fundierter exegetischer Arbeit sagen dürfen, dass diese Stelle nur ausführlicher beschreibt, was im Grunde bei allen geschilderten Heilungen gilt: Alle in den Evangelien für „heilen“ verwendeten Verben sind umfassend gemeint. Alle schließen Heilgesten wie Handauflegung und Salbung mit Öl ein, auch wenn dies nicht eigens erwähnt ist. Hier knüpfen Jesus und die Jünger an die Übung der Ölsalbung zu Heilzwecken an, die als medizinisches und exorzistisches Mittel im Judentum und auch im Hellenismus üblich war. 

Die hier beschriebene Praxis hat sich dann in den jungen Gemeinden fortgesetzt. Der deutlichste Beweis für die nun kirchliche Heilssorge an den Kranken ist der heutige Lesungstext aus dem Jakobus-Brief: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich: Sie sollen für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet!" (Jak 5, 14-16) Bis heute wird dieser Abschnitt bei der Einleitung in die Feier der Krankensalbung gesprochen. 

Unbestritten ist dabei, dass mit den Ältesten, den presbyteroi (presbuteroi), die frühen kirchlichen Amtsträger gemeint sind. Unbestritten ist auch, dass die allgemein verbreitete, rein therapeutische Verwendung der Salbung bei Kranken an dieser Stelle - wie im Verhalten Jesu und der Jünger überhaupt - bewusst überschritten wird in eine religiös-geistliche Dimension hinein: Das drückt sich vor allem aus in den Formulierungen: „Im Namen des Herrn“ und „das gläubige Gebet“. 
Im Namen des Herrn meint - entsprechend dem Sprachgebrauch der Schrift - nicht so sehr ein Handeln auf Anweisung oder im Auftrag des Herrn, sondern das Herbeirufen der wirkmächtigen Gegenwart des Herrn, der damit als der eigentlich Handelnde gekennzeichnet ist. 
Und auch die Zielrichtung dieser Handlung - die Wirkung, wenn man so will - wird in diesem Text umschrieben, und zwar mit den beiden Worten „retten“ (swzein) und „aufrichten“ (egeirein). Wie der ganze Vers, so stehen auch diese beiden Worte in der Tradition der Wunder- und Heilungsgeschichten. Retten und Aufrichten schließen also den vordergründigen Sinn der körperlichen Gesundung keineswegs aus, sie dürfen nicht ausschließlich - was von der Wortbedeutung her möglich wäre - auf die eschatologische Rettung und auf die künftige Auferstehung eingeschränkt werden. Aber dennoch sollte man die Transparenz gerade dieser beiden Begriffe auf das endgültige Heil hin auch nicht vorschnell verstellen. Das Heil Jesu ist umfassend und nicht einfach aufteilbar. 
Der abschließende Bedingungssatz schließlich: „Wenn er Sünden begangen hat...“, zeigt, dass für Jakobus Krankheit und Sünde nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen, dass nicht nur Sünder die Krankensalbung empfangen können, dass aber die Wirkung der Krankensalbung auch in der Sündenvergebung besteht. 

Festzuhalten ist: Die pastorale Anweisung des Jakobus für kranke Gemeindemitglieder stimmt mit der Haltung Jesu überein und ist von gleicher Struktur wie etwa die Geschichte von der Heilung des Gelähmten bei Markus, wo der Bericht ebenfalls an den Stichworten Glaube - Sündenvergebung - Heilung aufgereiht ist und am Ende das Aufstehen, Aufrichten steht (Mk 2,1-12). Jakobus - das dürfte der kurze Blick auf seinen Text gezeigt haben - verfolgt die Intention Jesu, wie sie die Synoptiker überliefern und konkretisieren. Wie Jesus ganz aus Gott und ganz auf die Menschen hin dachte und lebte, so denkt auch diese Anweisung: Im Glauben an die Gegenwart des Herrn und im Wissen um seine Vollmacht ist sie am Heil des Menschen interessiert, wobei „Heil“ den ganzen Menschen und die Unheilssituation der Krankheit im Blick hat. 

Eben in dieser Tradition steht nun die gegenwärtige Praxis der Krankensalbung nach ihrer Neuordnung in Folge des II.Vatikanischen Konzils: Hatte sich das Sakrament in der Vergangenheit zum Sterbesakrament mit dem Namen „Letzte Ölung“ entwickelt, das unmittelbar vor und unter bestimmten Bedingungen auch nach dem eingetretenen Tod gespendet wurde, und war die vollzogene Spendung fast schon wie eine direkte „Eintrittskarte in den Himmel“ verstanden worden, so betont das II.Vatikanische Konzil und in der Folge die Apostolische Konstitution Pauls VI. von 1972 in aller Deutlichkeit die Hinordnung auf die Kranken: 
„Das Sakrament der Krankensalbung wird jenen gespendet, deren Gesundheitszustand bedrohlich angegriffen ist, indem man sie auf der Stirn und auf den Händen mit ordnungsgemäß geweihtem Olivenöl ... salbt und dabei einmal folgende Worte spricht: Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er steh dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes: Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.“ 
Damit ist neben der Spendeformel auch die Zeichenhandlung beschrieben: Stirn und Hände werden mit Öl gesalbt: Der denkende und der tätig-handelnde, also der ganze Mensch, wird der heilenden Kraft Gottes anvertraut. Die auffälligste Veränderung in der Spendenformel gegenüber früher ist dabei, neben einer anderen Formulierung der Sündenvergebung, die ausdrückliche Nennung der Gnade des Heiligen Geistes und die Verwendung des „retten“ und „aufrichten“ aus dem Jakobusbrief, also ein deutlicher Rückbezug zum biblischen Ursprung. 

Und noch etwas Wesentliches hat sich verändert: Betont wird in den nachkonziliaren Dokumenten der Gemeinschafts- und Feiercharakter der Krankensalbung: Sakramente sind Zeichen der Gemeinschaft der Christen mit ihrem Herrn und untereinander, Grundvollzüge der Glaubensgemeinschaft. Das gilt auch hier: Weder der Kranke noch der Priester sind hier nur und ausschließlich als Einzelpersonen im Blick. Beide sind vielmehr als Glieder und Diener der Gemeinde tätig. Das ergibt sich unmittelbar auch aus der Pluralformulierung des Jakobusbriefes: Der Kranke soll „die Priester der Gemeinde rufen“, ... „Bekennt einander eure Sünden, damit ihr geheilt werdet“, ... 

Die Feier der Krankensalbung soll deutlich machen, dass der Kranke hier den Beistand seiner Schwestern und Brüder empfängt, dass hier die Kirche wie Jesus an der Seite eines ihrer kranken Glieder steht. Entsprechend soll sie im Rahmen einer Wortgottesfeier oder eingebettet in die Eucharistiefeier gespendet werde. Und so ist sie auch aufgebaut: Einer Einführung folgt das Schuldbekenntnis mit Vergebungsbitte, darauf die Wortverkündigung, ein Fürbittgebet, der Lobpreis über das Öl, dann die eigentliche Spendung.
Den Abschluss bildet das Vater unser und ein Segensgebet. Eingefügt werden kann, innerhalb einer Wortgottesfeier und je nach Situation des Kranken, auch der Kommunionempfang. In all dem Tun geht es um das „Bestehen“ der Krankheit, um Hilfe und Beistand in der Unheilssituation dessen, der in seinen Lebensmöglichkeiten und in seinem Selbstvollzug entscheidend behindert und beeinträchtigt ist und weiß, was um ihn vorgeht, damit er sich selber auch entsprechend einbringen kann. 



Unaufgebbare Basis der sakramentalen Handelns aber ist der Glaube, der Glaube an die heilende Kraft Gottes, und zwar auf Seiten des Empfängers, der Gemeinde und des Spenders. So heißt es in der Pastoralen Einführung zum Rituale der Krankensalbung: 
„In der heiligen Salbung, die mit dem Gebet des Glaubens verbunden wird, kommt der Glaube zum Ausdruck. Er ist in erster Linie zu erwecken, sowohl im Spender des Sakraments wie auch vor allem in dem, der es empfängt: Sein Glaube nämlich und der Glaube der Kirche werden dem Kranken Heil bringen.“ 
In diesen Worten, die zwar in der Pastoralen Einführung stehen, aber eine dezidierte theologische Aussage machen, klingen unmittelbar die Worte Jesu im Evangelium an: „Dein Glaube hat dir geholfen“, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Dem, der ganz geöffnet ist für das Einwirken Gottes, wird Heil geschenkt, geistig, geistlich und - so Gott will - auch körperlich. 

„Ist einer von Euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich: Sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ 

Liebe Schwestern, liebe Brüder! 
Um die sorgende Zuwendung zum Kranken geht es der Kirche im Sakrament der Krankensalbung, darum, ihn im Glauben Gottes heilender und aufrichtender Nähe anzuvertrauen und ihm diese heilende und aufrichtende Nähe in Wort und Zeichen zuzusagen, in einem Wort und Zeichen allerdings, das Geist-erfüllt und wirksam ist. 

Amen.



1.Lesung: Jak 5, 13 - 18 

Ist unter euch einer unglücklich? Dann bete er!
Ist einer fröhlich? Dann singe er Loblieder!
Wird einer von euch krank? Dann rufe er die Gemeindeältesten; die sollen über ihn beten und ihn dabei mit Öl salben im Namen des Herrn.
Und das Gebet des Glaubens wird den Erkrankten retten und der Herr wird ihn beleben und seine Verfehlungen vergeben.
So gesteht einander eure Fehlbarkeit ein und betet füreinander, auf dass ihr heil werdet.
Viel vermag das kraftvolle Gebet eines Gerechten.

2. Lesung: Mk 6, 6b - 13 

Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.
Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zu zweit. Er gab ihnen Macht über die unversöhnten Geister und gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen - kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd - , wohl aber Sandalen anzuziehen. Er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in das ihr einkehrt, bis ihr von dort weiterzieht. Wenn man euch aber an einem Ort nicht willkommen heißt und euch nicht hören will, so geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis.
Die Zwölf machten sich auf den Weg und predigten den Sinneswandel.
Sie trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und pflegten sie.

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